Wir befinden uns im Jahr 2026. Der gesamte Weinbau ist in der Krise. Der gesamte Weinbau? Nein! Ein von innovativen und mutigen Ideen motiviertes Weingut hört nicht auf, der Krise Widerstand zu leisten… Ungefähr so könnte die Geschichte des Delinat-Weinguts Lenz einmal erzählt werden, wenn man derzeit die allgemeine Nachrichtenlage verfolgt. Nebst den Nachbarländern Deutschland, Italien und Frankreich werden jetzt auch in der Schweiz die Sorgen um den Weinbau lauter: Gemäss einem aktuellen Artikel im Tagesanzeiger sollen demnach über die Hälfte aller Schweizer Weingüter existenzbedroht sein. Es sei zudem möglich, dass über die Hälfte der Schweizer Rebflächen in den nächsten paar Jahren verschwinde.
Doch das Delinat-Weingut Lenz beweist inmitten dieser herausfordernden Situation: Ökologischer Weinbau kann sich auch wirtschaftlich lohnen, besonders in schwierigen Zeiten. Wenn einmal die Umstellung vollständig geschafft ist, wird man auch finanziell unabhängiger: Robuste Sorten, weniger Diesel, kein künstlicher Dünger, geschlossene Kreisläufe. Was zuerst nach Verzicht und Problemen klingt, kann in Wirklichkeit zu einem wirtschaftlichen Erfolgsmodell werden. Was steckt dahinter? Hier einige Faktoren, die aktuell dem Weingut Lenz dank vorausschauender Betriebsführung zugute kommen:
1. PIWI-Sorten
Weniger Arbeit, weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Dieselverbrauch, weniger Kosten: Der erste Hebel sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs). Das Weingut Lenz hat bereits vor weit über 20 Jahren damit begonnen, konsequent auf PIWI-Sorten zu setzen und europäische Traubensorten auszureissen. Während ein Winzer mit klassischen Sorten wie Pinot Noir bis zu 10–15 Behandlungsdurchfahrten pro Jahr einplanen muss – egal ob mit chemisch-synthetischen Pestiziden oder mit Bio-Alternativen wie Kupfer und Schwefel – brauchen PIWI-Sorten einen Bruchteil davon. Weniger Durchfahrten bedeuten: weniger Diesel, weniger Maschinenstunden, weniger Personalkosten. Roland Lenz sagt, er spare damit etwa die Hälfte an Arbeitsstunden ein. Und er hat mit diesen robusten erst noch eine höhere Ertragssicherheit, vor allem in klimatisch schwierigen Jahren.
2. Energieautarkie
Strompreise und Dieselpreise sind kein grosses Thema mehr:
Das Weingut Lenz produziert über 140’000 Kilowattstunden Strom pro Jahr und verbraucht selbst nur rund die Hälfte. Der überschüssige Strom wird eingespeichert und bei Bedarf abgerufen. Steigende Energiepreise? Kein existenzieller Kostenfaktor mehr. Die Grundlage dafür wurde bereits vor über 10 Jahren mit einer grossen Photovoltaik-Anlage und einem Batteriespeicher im Keller gelegt. Was eine hohe Investition war zu Beginn, hat sich heute ausgezahlt. Dazu kommt der sparsame Umgang mit fossilen Energiquellen: Der Dieselverbrauch beim Weingut Lenz sinkt dank Drohnen, Elektrofahrzeugen und sparsamer Bewirtschaftung von Jahr zu Jahr, aktuell sind es noch rund 50 Liter pro Hektar. Andere Betriebe verbrauchen für dieselbe Fläche rund das Vierfache, was sich in der Zeit hoher Dieselpreise besonders bemerkbar macht.
3. Gesunder produktiver Boden und Vielfalt in den Weinbergen
Und ein weiterer Faktor, der nicht zu unterschätzen ist: Vielfältige Weinberge und ein humusreicher Boden. Dies ermöglicht konstant hohe Erträge bei den Reben, selbst bei Mischkultur und trotz Ausreissen von Reben. Das Weingut Lenz setzt konsequent auf Humusaufbau durch natürlichen Dünger und sorgt so für eine Menge Mikroorganismen im Boden. Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Rebholz und laufend geknickte Grünmasse dienen als organisches Futter für Bodenlebewesen. Regenwürmer verwandeln diese Biomasse in hochwertige Pflanzennahrung. Zudem kann der humusreiche Boden bei Regenfällen viel Wasser aufnehmen, Erosion verhindern und die Feuchtigkeit wie ein Schwamm für trockene Zeiten sparen.
Fazit: Ökologische und ökonomische Resilienz braucht Zeit, aber es lohnt sich
Ist ein ökologisch resilientes System auch wirtschaftlich resilienter? Die Antwort von Roland Lenz ist klar: Auf jeden Fall. Allerdings braucht der Übergang seine Zeit. Wer lange konventionell gewirtschaftet hat, muss mit 5 bis 10 Jahren Transformationsphase rechnen, bis die natürlichen Kreisläufe wieder vollständig funktionieren. Doch dann, und das ist die eigentliche Botschaft von Roland Lenz, verzeiht die Natur jahrzehntelange Ausbeutung und regeneriert sich mit bemerkenswerter Kraft.
Das Beispiel des Weinguts Lenz zeigt, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sind. Ökologischer Weinbau sollte kein Luxus für Idealisten sein, sondern eine wirtschaftlich überlegene Strategie. PIWIs, Energieautarkie, vielfältige Weinberge und lebendige Böden: Wer heute die richtigen Weichen stellt, erntet morgen die Vorteile daraus.



