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Klimapositiver Weinbau – Das Delinat-Weingut Lenz zeigt, was möglich ist

Blogartikel von Olivier Geissbühler

Wer durch landwirtschaftliche Regionen fährt, sieht oft dasselbe Bild: Schwere Traktoren, die dutzende Male pro Saison durch die Felder rollen. Sie bringen Dünger aus, spritzen Pflanzenschutzmittel oder ziehen Maschinen zur Bodenbearbeitung. All das verbraucht Diesel – und setzt jede Menge CO₂ frei.

Kunstdünger werden oft in grossen Chemiefabriken hergestellt, häufig mit Unmengen an Erdgas als Energiequelle. Schon ihre Produktion ist extrem energieintensiv, und auf den Feldern setzen sie Lachgas frei, ein Treibhausgas, das noch viel schädlicher ist als CO₂. Pflanzenschutzmittel tragen ebenfalls ihren Teil bei: Sie müssen produziert, transportiert und mit Maschinen ausgebracht werden, was wiederum fossile Energie verschlingt.

Ähnlich sieht es auch im Weinbau aus. Noch bevor eine einzige Traube geerntet ist, hat der Weinbau meistens schon einen ordentlichen CO₂-Fussabdruck hinterlassen. So ist die Landwirtschaft heute weltweit für einen erheblichen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Klimapositiver Weinbau dank erneuerbaren Energien und regenerativer Landwirtschaft

Doch es geht auch anders. Wer das Delinat-Weingut Lenz im Thurgau besucht, merkt schnell: Hier hat man die Energie- und Umweltfrage neu gedacht. Bereits 2014 entschied sich der Betrieb, sich von fossilen Energien weitgehend unabhängig zu machen. Damals liess man vier tiefe Erdsonden bohren, die weit in den Boden reichen. Aus dieser Tiefe wird ganzjährig Wärme geholt.

Eine Wärmepumpe nutzt diese Energie, um Wasser zu temperieren, Räume zu heizen oder Kühlanlagen zu betreiben. Die notwendige Elektrizität stammt von den eigenen Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Weinguts. Wenn die Sonne scheint, produzieren sie mehr Strom, als gerade benötigt wird. Der Überschuss wandert in einen grossen Batteriespeicher, aus dem sich der Betrieb in den Abendstunden oder bei schlechtem Wetter versorgen kann. So entsteht eine nahezu geschlossene, erneuerbare Energieversorgung – ohne Öl, ohne Gas, ohne fossile Spitzenlasten.

Auch auf den Feldern denkt man beim Delinat-Weingut Lenz klimafreundlich. Statt chemischer Kunstdünger kommen natürliche Nährstoffquellen wie Kompost und Mist zum Einsatz. Sie schonen nicht nur die Umwelt, sondern verbessern auch die Bodenqualität und binden zusätzlich CO₂ im Humus. Weniger Maschinenfahrten bedeuten weniger Dieselverbrauch, und robuste PIWI-Rebsorten – also pilzwiderstandsfähige Sorten – reduzieren den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum. Das spart Energie, Geld und schont die Natur.

Vom Klimaproblem zur Klimachance

Das Ziel von Roland Lenz ist ehrgeizig, aber klar: klimapositive Weinproduktion. Das heisst, nicht nur den eigenen Fussabdruck zu reduzieren, sondern langfristig mehr CO₂ im Boden und in den Pflanzen zu speichern, als der Betrieb selbst verursacht. Und vieles, was beim Weingut Lenz bereits Realität ist, könnte ein Vorbild für die Landwirtschaft von morgen sein: Betriebe, die ihre Energie selbst und sauber erzeugen, Böden, die als CO₂-Speicher wirken, und Lebensmittel, die nicht mit einem grossen fossilen Rucksack produziert werden.

Wenn Landwirtschaft nicht länger fossile Energie verbrennt, sondern selbst Energie aus der Sonne gewinnt, wenn sie den Boden aufbaut statt ihn auszulaugen – dann wird sie vom Klimaproblem zur Klimachance. Wein, Brot und Gemüse könnten nicht nur für Genuss sorgen und satt machen, sondern auch das Klima schützen. Das Delinat-Weingut Lenz zeigt, dass diese Zukunft keine Utopie ist, sondern heute schon Wirklichkeit werden kann.

Transkript
Seit wir diesen Kellerbau realisiert haben 2014, seit diesem Zeitpunkt, kann man sagen, sind wir energieautark. Wir konnten damals vier Erdsonden bohren, je 210 Meter. Wir haben also rund 840 Meter Erdwärme zur Verfügung. Die Wärmepumpe temperiert das Wasser, das etwa mit 10 Grad von diesen 210 Metern hochkommt, auf verschiedene Wassertemperaturen, die wir in einem Boiler haben. Dann haben wir noch eine Klimaanlage hier in diesem Energiezentrum, die unsere Kühlräume kühlt. Diese Abwärme, die es hier natürlich gibt, von der Kühlung her, speisen wir zurück in die Erdsonden, so dass die Bohrlöcher nicht auskühlen. Wir können diese Temperatur recht konstant halten. Im Winter ist diese Wärmepumpe unser Hauptverbraucher. Und die versorgen wir mit eigenem Strom. Wir haben auf unseren Dächern ganz viele Photovoltaik-Flächen, die wir für unsere Stromerzeugung nutzen. Speziell dazumal 2014 war dazumal dieser Speicher hier. Bleibatterien, 288 Stück, es sind Trockenbatterien. Die muss man nicht warten. Wir können einen Tagesleistung von den ganzen Flächen, von unseren Dächern, einspeichern. Und immer abends zwischen 5 und 9 wird das entleert, ins Netz, damit am anderen Tag der Speicher wieder geladen werden kann. Wir konnten nicht beobachten, dass die Leistungsfähigkeit abgenommen hat. Was aber ist, wir haben hin und wieder eine Zelle, die kaputt geht. Von den 288 Batterien haben wir bereits 8 Stück, die wir schon auswechseln mussten. Und irgendwann kommt auch der Zeitpunkt, wo wir einen Schnitt machen werden. Und sagen, da müssen wir einen neuen Speicher einbauen. Was das immer auch sein wird. Ich glaube, wenn wir jetzt zurück schauen und eine Rechnung machen, wird das so ein Nullsummenspiel geben. Weil wir haben dazumal auf 10 Jahre hinaus, mit Abschreibungen und so weiter, die Rechnung gemacht, dass wir dann bei 0 sind, die 10 Jahre haben wir erreicht. Der grosse Gewinn war aber, dass wir vom Spitzenstrom weggekommen sind. Wir haben in all den Jahren, im Winter mussten wir teilweise auch noch Strom beziehen, wenn noch Schnee auf den Dächern liegt wird kein Strom produziert. Dann muss man auch wieder Strom zukaufen. Aber über das Jahr hinweg gesehen, über 12 Monate, mussten wir kein Spitzenstrom mehr beziehen. Das sind die ganz grossen Kosten. Fast unabhängig davon, wie viel Strom man bezieht. Nur schon der Grundtarif ist unglaublich hoch. Das sind ungefähr in unserer Gemeinde 4000 Franken circa, nur schon der Grundtarif Spitzenstrom. Das sind ja 40'000 Franken in 10 Jahren, nur schon das, was da wegfällt, kann man sich gut vorstellen, dass da einiges an Einsparungen, neben dem ökologischen Gedanken auch, ökonomisch richtig gemacht worden ist. Es ist natürlich so, dass wir auch Elektrotankstellen haben, um unsere Elektrofahrzeuge mit dem eigenen Strom aus dem Speicher heraus zu betanken. Und das hat natürlich schon massive Einsparungen gegeben. Bei den Fahrzeugen auf jeden Fall, bei den Autos, Bussen und so weiter. Bei den Traktoren zum Beispiel, sind wir noch nicht so weit. Da konnten wir jetzt gerade einen Umbau machen, wo wir unsere Traktoren unterbringen. Wo wir jetzt auch Photovoltaik drauf gebaut haben. Dort haben wir jetzt auch ein Tankstelle. Und es wird natürlich schon, ich sage jetzt mal die Vision ist auf jeden Fall, demnächst ein Elektrotraktor anschaffen zu können um dann dort nochmal Diesel einsparen zu können. Wenn wir selber jetzt den Dieselverbrauch rechnen heute, sind wir irgendwo bei 50 Liter pro Hektar angelangt. Ich glaube, wenn ich zurückblicke, wenn wir vielleicht vor 15 Jahren den Wert anschauen, dann waren das dazumals sehr wahrscheinlich 300 Liter gewesen. Also da ist schon so viel eingespart geworden. Ich glaube, einer der nächsten Schritte wäre dann schon bald ohne Traktor quasi etwas zu machen. Also die ganze Pflanzenbegleitung, Präparate, Homöopathie und so weiter, würden wir mit Drohnen machen. Das andere, Mähen zum Beispiel, würden wir mit einem Motormäher und Sensen. Aber das ist jetzt schon noch Zukunftsmusik. Es wäre sehr cool natürlich, ohne Traktoren zu arbeiten. Das ist ganz klar. Ich kann mir das aber jetzt noch nicht vorstellen. Wir waren jetzt vier Jahre beim Bodenfruchtbarkeitsfonds der Bio-Stiftung Schweiz dabei. Dort gab es einen Leistungsrechner. Dieser Leistungsrechner hat den Humusaufbau berechnet, den jeder Betrieb leistet. Auf unserem Betrieb haben wir ausgerechnet, dass wir pro Jahr etwas über zwei Tonnen CO2 zusätzlich einspeichern. Wir haben da eine sehr positive CO2-Bilanz. also wir speichern jetzt schon massiv mehr CO2 im Boden ein, als dass wir ausstossen. Oder abgeben durch unsere Bewirtschaftung in den Weingärten. Da finde ich, da sind wir sicher auf dem richtigen Weg. Da kann man noch zulegen, das ist ganz klar. Aber wir haben den Anfang, den ersten Schritt, sicher gemacht. Es ist ja immer bei der Weinproduktion das Gewicht der Flasche massgebend. Dort sind wir um die 400 Gramm, wie die Delinatflasche selber auch ist. Dann ist es natürlich auch massgebend, ob man ein Drehverschluss anwendet. Ein Drehverschluss hat bei der Produktion CO2-Emissionen von 70 Gramm, das man verbraucht, bis ein Drehverschluss produziert wird. Dort ist wirklich das Ziel, mit Naturkorken zu arbeiten, die sogar ca. minus 10 Gramm CO2-Emissionen verursachen, sprich, da wird noch gespeichert. Ich glaube, im Weinbereich gilt, je mehr Flaschen dass zurückkommen, und im Kreislauf drin, also mit Waschen, gehalten werden können, umso besser ist schlussendlich die CO2-Bilanz. In dem Sinn, dass wir einen unglaublich fruchtbaren, lebendigen Boden haben, wo uns z.B. die ganze Düngung abnimmt. Wir bringen ja, wenn überhaupt, unseren eigenen Kompost aus bei jungen Lagen. Und dieser Kompost entsteht aus unseren Ernteabfällen, also auch wieder aus dem Trester sozusagen. Also die Düngung fällt weg, wir kaufen hier nichts dazu. Dann die ganze Pflanzenschutz-Situation hat sich auch grundlegend geändert mit den neuesten Zukunftsorten, im Sinne, dass wir kein Kupfer und kein Schwefel mehr ausbringen müssen. Das heisst, es kommen dort auch keine fossile Energien versteckt dazu, beim Ausbringen dieser Mittel. Ist noch schwierig, also wir können dort sicher auch noch mal Einsparungen machen, weil man einfach noch mal reduzieren kann, wenn sich dieses System noch einmal stabiler zeigt. Ich glaube, das ist laufend möglich, weil die Kreisläufe immer besser ineinander spielen. Zwischen Boden, PIWIs und Diversität, das sind ja die drei Eckpunkte, die ineinander spielen müssen. Damit die Lebenskreisläufe geschlossen sind schlussendlich. Ich glaube, jedes Jahr wird das stabiler, ob es jetzt viel regnet oder gar nicht regnet. Wir können unsere Bewirtschaftung im Sinne reduzieren, sodass wir nur noch Begleitpersonen sind. Und eingreifen, wenn wir merken, unseren Hauptpflanzen, Hauptkulturen, ob das jetzt die Rebe ist, das Getreide in den Reben drin oder der Fruchtbaum in den Reben, wenn eine Stresssituation entsteht, aus welchen Gründen auch immer, wo man etwas mithelfen muss. Aber aktuell dieses Jahr beobachten wir jetzt trotz der Trockenheit - wir hatten erst 300 mm Regen seit Anfang des Jahres - Das ist fast 50% weniger als normal. Wir müssen nicht eingreifen, unsere Reben fühlen sich pudelwohl. Also da ist nichts angesagt. Ein grosser Posten wird sicher der Ersatz dieser Bleibatterien werden. Wenn wir für diese Grösse - wir produzieren doch etwa 140.000 kWh, wenn man für diese Grösse einen Speicher bauen möchte, dann kostet das ungefähr 150.000 bis 200.000 Franken. Das ist nicht einfach so schnell gemacht. Das ist sicher ein grosser Posten, den wir irgendwann in Angriff nehmen werden. Ich sehe aber vor allem beim Wasser, insgesamt auf dem Betrieb selber, nicht unbedingt in der Reben draussen. Weil dort ist das Wasserspeichervermögen von unseren Böden so genial heute mit 4 bis 6 Prozent Humus. Das bauen wir weiter aus, aber das ist schon gegeben. Ich sehe es in der Kellerei drin, dass wir da unseren Wasserhaushalt nochmals verbessern können. Waschwasser wiederverwerten, und so weiter und so fort. Das ist momentan noch nicht der Fall.

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