Dass PIWI-Sorten Vorteile haben bei Pilzkrankheiten, dürfte den meisten Winzerinnen und Winzern bekannt sein. Nun zeigt eine Untersuchung, dass viele PIWI-Sorten auch bei Hitzestress die Nase vorn haben.
Blogbeitrag von Olivier Geissbühler
Die meisten Reben kommen mit viel Sonne und heissen Temperaturen ziemlich gut zurecht. Doch wenn das Thermometer auf deutlich über 30 Grad steigt, kommt auch der Organismus von Weinreben an seine Grenzen. Eine grosse Rolle spielt dabei die Sortenwahl: Nicht alle Rebsorten vertragen erhöhte Temperaturen und UV-Strahlung auf der Beerenhaut gleich gut.
Und was den meisten Winzerinnen und Winzer bisher wahrscheinlich nicht bewusst war: Viele PIWI-Sorten haben auch eine grössere Resistenz gegenüber Hitzestress im Vergleich zu vielen traditionellen Rebsorten. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Julius Kühn-Instituts in Deutschland. Das ist insbesondere auch für Winzerinnen und Winzer in südlichen Regionen eine wichtige Erkenntnis.
Das passiert bei der Rebe, wenn es heiss wird
Reben sind erstaunlich zähe Pflanzen. Aber auch sie geraten bei extremer Hitze ins Schwitzen. Über kleine Poren auf den Blättern (die sogenannten Spaltöffnungen oder Stomata) regulieren sie ihren Wasserhaushalt. Wird es zu heiss, schliessen sie diese Poren, um Wasserverlust zu vermeiden.
Das Problem: Dann kann auch kein CO₂ mehr aufgenommen werden und die Photosynthese läuft auf Sparflamme. Die Pflanze gerät in einen Stresszustand, das Wachstum stockt, die Traubenreife verlangsamt sich oder kommt ganz zum Erliegen. Ein weiteres Problem: Ist der Schatten der Blätter nicht ausreichend, brennen die Sonnenstrahlen ungehindert auf die Beeren.
Vorsicht vor dem Sonnenbrand
Wenn die Temperatur auf deutlich über 35 Grad klettert und die direkte Sonneneinstrahlung auf die Beeren trifft, kann es zu sogenanntem Sonnenbrand kommen.
Dabei passiert Folgendes:
- Die Beerenschale wird geschädigt, oft an der sonnenzugewandten Seite.
- Die Zellen in der Beerenhaut sterben ab – das zeigt sich durch braune, eingetrocknete Flecken.
- In schlimmen Fällen platzen die Beeren sogar auf oder trocknen komplett ein (sogenannte „Rosinierung“).
Sonnenbrand schadet also nicht nur der Optik, sondern vor allem auch der Weinqualität. Betroffene Trauben verlieren an Aroma, an Frische – und sie werden anfälliger für Fäulnis und Essigstich.
PIWIs bleiben länger grün im Laborversuch – aber wie sieht es draussen im Feld aus?
PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Das bedeutet: Sie wurden primär gezüchtet, um besser mit Krankheiten wie Mehltau klarzukommen. Das Spannende an der PIWI-Züchtung ist aber, dass man bei der Selektion nicht nur Krankheitsresistenz berücksichtigen kann, sondern zum Beispiel auch Hitze- und Trockenheitsresistenz. Die Laboruntersuchung im Julius-Kühn-Institut hat gezeigt, dass PIWI-Sorten wie Souvignier gris und Cabernet blanc deutlich weniger Hitzeschäden aufweisen als traditionelle Sorten wie Chardonnay oder Riesling.
Bei der Untersuchung am Julius-Kühn-Institut wurden im Labor die Beeren für zwei Stunden lang einer Hitze von 45 Grad ausgesetzt. Anschliessend wurde geprüft, wie viel Schaden die Beeren davon genommen haben. Interessanterweise schnitten die PIWI-Sorten durchs Band deutlich besser ab als die getesten traditionellen Sorten.
Weitere Forschung für klimaangepasste Sorten nötig
Um die Ergebnisse noch etwas aussagekräftiger zu machen, müsste man die getesteten Sorten sicher auch noch draussen im Feld hohen Temperaturen und hoher Sonneneinstrahlung aussetzen, um detailliertere Praxis-Erkenntnisse zu gewinnen. Denn ein Labortest unter Hitzestress widerspiegelt nie ganz das Verhalten einer Pflanze draussen im Weinberg.
Zudem wäre spannend, noch weitere PIWI-Sorten anderen – zum Beispiel besonders hitzeerprobten – europäischen Sorten gegenüberzustellen, um zu sehen, welche Sorten in der Hitze am besten performen. Dieser Forschungsansatz am JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen ist jedoch ein guter Anfang und gibt wichtige Erkenntnisse für die Sortenwahl der Zukunft. Es bleibt zu hoffen, dass künftig weitere solche Versuche mit Rebsorten durchgeführt werden, um Winzerinnen und Winzern den Entscheid zu erleichtern, welche Sorten sie am besten anpflanzen.