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Strategien zur Klimaanpassung im Weinbau

Blogartikel von Olivier Geissbühler

Der Sommer 2026 wird vielen Winzerinnen und Winzern im Gedächtnis bleiben. Wochenlang kein Tropfen Regen, Temperaturen jenseits der 40 Grad und die Landwirtschaft, welche sich an dieses extreme Klima anpassen muss.

Die Erfahrungen der Winzerinnen und Winzer aus diesem Extremjahr zeigen: Klimaanpassung ist nicht mehr nur ein theoretisches Konzept für die Zukunft, sondern bereits erlebte, oft schmerzhafte Realität. Und sie zeigt auch, dass selbst die konsequenteste Ökologie an Grenzen stösst, und die Frage teilweise unausweichlich wird: Wann ist Bewässerung zwingend nötig und wo ist es künftig überhaupt möglich, die Reben zu bewässern?

Delinat-Methode als Werkzeugkasten gegen den Klimawandel

Auf die «Gretchenfrage», wie man sich als Betrieb überhaupt vor dem Klimawandel schützen kann, erklärt Timo Dienhart: Die Delinat-Methode deckt davon bereits vieles ab. Retentionsmassnahmen, das Pflanzen von Bäumen, die Nähe zu Wäldern, Humusaufbau, der Schutz der Biodiversität und der Artenschutz: All das sind Bausteine, die auch in extremen Jahren greifen sollen.

Was in diesem Sommer besonders deutlich wurde: Diese Massnahmen sind kein Selbstzweck, sondern zahlen sich aus. Alex Pflüger, der bereits seit Jahrzehnten ökologisch arbeitet, beschreibt seine Böden inzwischen als «Schwamm». Sie halten das wenige Wasser, das in diesem Jahr fiel, effektiv. Diese Fähigkeit ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit an Bodenfruchtbarkeit und Bodenaktivität.

Bewässerung als letzte Überlebensstrategie

Die Winzer sind sich einig, dass junge, frisch gepflanzte Parzellen ohne Wassergabe in diesem Sommer schlicht nicht überlebt hätten. Die Wurzeln sind schlicht noch nicht tief genug, um selbstständig an Wasserreserven zu gelangen. Besonders eindrücklich schildert Timo Dienhart die Situation aus einer steilen Schieferlage an der Mosel, wo der Boden wenig Wasser zurückhhalten kann: Ohne minimale Bewässerung hätten hier die Reben kaum überlebt, man hätte praktisch alle Trauben wegschneiden müssen. Bewässerung wurde hier zur letzten Möglichkeit, um überhaupt noch etwas ernten zu können.

Timo beschreibt seine Bewässerungsstrategie des «Leiden-Lassens»: Die Reben werden so lange wie möglich ohne Wasser gelassen. Erst wenn es fast zu spät ist, gibt es eine erste, gezielte Wassergabe, die tief in den Schieferboden einziehen kann. Danach wird wieder gewartet, bis der nächste kritische Punkt erreicht ist. Der Gedanke dahinter: Die Rebe soll kämpfen und tiefer wurzeln müssen. «Wir bringen den Reben keinen Luxus. Wir erhalten das Leben», erklärt er. In den nächsten Jahren, so die Hoffnung, soll die Bewässerung mit zunehmendem Wurzelwachstum der noch jungen Anlagen überflüssig werden.

Wasser ist keine unbegrenzte Ressource

Alex Pflüger aus der Pfalz verzichtet grösstenteils auf Bewässerung, teils aus logistischen Gründen, aber auch, weil Wasser insgesamt ein knappes Gut ist und man sich grundsätzlich fragen müsse, ob eine künstliche Bewässerung überhaupt sinnvoll ist. Seine Strategie lautet stattdessen: das ohnehin vorhandene Wasser besser versuchen im Boden halten, anstatt künstlich zuzuführen.

Auch Timo Dienhart steht der Bewässerung kritisch gegenüber: Ihm wären Retentionsmassnahmen, etwa Teiche oder wasserspeichernde Strukturen in der Landschaft eigentlich lieber als Tropfbewässerung. Doch solche Massnahmen würden tiefe Eingriffe in Wege- und Gewässerführungen erfordern, sind komplex in der Umsetzung und kosten viel Geld. Als wünschenswerte Zukunftsvision nennt er Retentionsteiche, Amphibien-Refugien und auch touristisch nutzbare Wasserflächen wie Kneippbecken oder Schwimmteiche in den Weinbergen. Aber eben: Die Finanzierung solcher Landschaftsumgestaltung ist eine grosse Hürde.

PIWI-Sorten als strategische Antwort

Neben Bodenmanagement und Bewässerung rückt in den Gesprächen ein dritter Hebel der Klimaanpassung in den Vordergrund: die Rebsortenwahl. Neu gepflanzte pilzwiderstandsfähige (PIWI-) Sorten zeigen in diesem Extremjahr auffallend wenig Stresssymptome. Ihre robuste genetische Basis kommt mit Hitze und Trockenheit deutlich besser zurecht als klassische Sorten wie Riesling oder Silvaner, die zunehmend zu kämpfen haben. Tobias Zimmer vom Hirschhof in Rheinhessen plant deshalb, künftig ein Drittel bis die Hälfte der Flächen mit PIWI-Sorten zu bestocken.

Gleichzeitig macht Timo Dienhart an der Mosel klar: Eine Rebpflanzung ist eine Entscheidung für über 50 Jahre. Das komplette Ausreissen des Rieslings zugunsten von PIWI-Sorten kommt für ihn nicht infrage, zumal der Riesling an der Mosel lange Tradition hat. Seine Bilanz nach zehn Jahren überwiegend PIWI-Neupflanzungen fällt dennoch eindeutig aus: Er hat keine einzige Pflanzung bereut.

Der Extremsommer 2026 zeigt eindrücklich, dass die Delinat-Methode ein vielseitiger Lösungsansatz für die Zukunft ist: Bodenschutz, Humusaufbau, Laubwandmanagement, Biodiversität, Sortenwahl und, wenn zwingend nötig, eine sehr bewusst dosierte Bewässerung. Die eigentliche Zukunftsstrategie zeigt sich jedoch in Böden, die wie Schwämme funktionieren, und in Rebsorten, die an extreme Klimata angepasst sind.

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