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Mit resistenten Rebsorten in die Zukunft: Das Delinat-Weingut Hirschhof

Das langjährige Delinat-Weingut Hirschhof in Rheinhessen hat schon früh die ökologische Relevanz von pilzwiderstandsfähigen Traubensorten (PIWIs) erkannt und setzt bereits seit etlichen Jahren auf verschiedene resistente Sorten. Der Delinat-Winzer Tobias Zimmer erklärt im Video, wieso diese Sorten in nassen Jahren Gold wert sind und wie man Konsumentinnen und Konsumenten für diese Weine begeistern kann.

Transkript
Dieses Jahr zum Beispiel haben wir ein Jahr, das ist sehr geprägt von Feuchtigkeit, von Wetterkapriolen sozusagen, das ist schon sehr herausfordernd für uns Winzer, und daher bin ich froh - oder kann man froh sein - wenn man solche Sorten hat, auf die man zurückgreifen kann, die einfach unanfälliger sind gegenüber den Pilzkrankheiten. Ich bin der Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof, aus Westhofen, aus dem Anbaugebiet Rheinhessen. Wir arbeiten schon seit 30 Jahren nach den ökologischen Richtlinien und seit fast 30 Jahren mit Delinat zusammen. und in der Zeit haben wir uns auch viel entwickelt - oder hat sich vieles entwickelt. Wir stehen hier momentan in einer Anlage von einer pilzwiderstandsfähigen Rebsorte. Es ist eine weisse Rebsorte, die Rebsorte heisst Cabernet Blanc. Vom Namen her ist es sehr interessant, sie hat vom Aroma her einen leichten Duft nach Sauvignon Blanc, so leichte Cassis-Noten, feinfruchtige Noten sozusagen, deswegen haben wir die auch angebaut. Aber nicht nur deswegen, sondern weil sie auch sehr pilzstabil ist, das heisst also - es gibt ja im Weinbau verschiedene Pilzkrankheiten, die die Rebe befallen können und diese hier ist aus einer Kreuzung entstanden, die sehr tolerant, oder fast resistent gegenüber den Pilzkrankheiten ist, Cabernet Blanc, und das heisst, wir müssen nur ganz wenig Pflanzenschutzmassnahmen betreiben. Das ist natürlich ein Vorteil, das entlastet die Umwelt, das entlastet generell die Weinreben oder auch die Trauben. Was noch ein Vorteil ist, sie hat sehr lockere Trauben. Ich kann da mal rein halten, die Hand: Man sieht hier die relativ grossen Trauben, aber mit ganz, ganz wenigen, lockeren Beeren, das ist eine lockere Beerenstruktur, das ganze dient natürlich auch dazu, dass die Beeren später, während der Reifephase, weniger von Fäulnis betroffen werden, oder befallen werden, das heisst, die sind sehr gesund, fast bis zum - oder ziemlich bis zur Ernte sind die sehr gesund, was dann entsprechend auch wieder fruchtige, reintönige, reinsortige Weine später ergibt. Also wir sind sehr zufrieden mit der Rebsorte, mit dem Cabernet Blanc und werden auch in Zukunft noch mehr von den Rebsorten anbauen. Aktuell haben wir etwa fünf Prozent pilzwiderstandsfähige Rebsorten im Anbau, Tendenz steigend - also die nächsten zwei, drei Jahre werden nochmal fünf Prozent angelegt, wir wollen noch mehr in diese Richtung gehen, weil wir einfach sehen, das ist eine tolle Sache, eignet sich sehr gut für den ökologischen Weinbau. Das ist im Prinzip dann auch der Sinn, der Nachhaltigkeitsgedanke, dass man einfach Rebsorten, die eben anfälliger sind, die weniger im ökologischen Weinbau gut zurechtkommen, dass man die ersetzt durch pilzwiderstandsfähige Rebsorten, mit denen man einfach problemloser umgehen kann. Dieses Jahr zum Beispiel haben wir ein Jahr, das ist sehr geprägt von Feuchtigkeit, von Wetterkapriolen sozusagen, das ist schon sehr herausfordernd für uns Winzer, und daher bin ich froh - oder kann man froh sein - wenn man solche Sorten hat, auf die man zurückgreifen kann, die einfach unanfälliger sind gegenüber den Pilzkrankheiten. Es gibt Nachbarn, die auch PIWIs im Anbau haben, aber das ist wirklich im ganz, ganz kleinen Rahmen - also da ist noch sehr viel - wie sagt man auf gut Neudeutsch: Sehr viel Luft nach oben, da kann sich noch sehr viel entwickeln, aber ich denke mal, wenn auch die Kollegen - oder wenn wir auch selbst alle gemeinsam die Erfahrung machen: Das ist eine tolle Sache, dann wird sich das schon in Zukunft etwas steigern. Es wird nicht ganz den Weinbau übernehmen, aber es wird sich auf jeden Fall auf ein gewisses Niveau steigern. Natürlich auch nur dann, wenn es der Verbraucher akzeptiert. Wenn der Verbraucher sagt, die Rebsorte, der Name gefällt mir nicht, oder der Geschmack gefällt mir nicht, dann ist es natürlich nicht umsetzbar. Aber normalerweise sind die Sorten sehr - wie gesagt, Cabernet Blanc zum Beispiel, sehr feinfruchtig, gibt ein toller Wein. Vom Namen her ist es auch nicht so ungewöhnlich, das kann man eigentlich recht gut, denk ich, den Kunden näherbringen und entsprechend auch vermarkten. Man muss es einfach nur vorstellen, und dann - manche Kunden haben einen gewissen Begriff, einen gewissen Gedanken im Hintergrund und wollen einfach einen Riesling oder einen Burgunder. Aber wenn sie einfach sagen: Wir suchen einen Wein, der soll feinfruchtig sein oder einen spezifischen Geschmack haben, und dann kann man als Winzer etwas vorstellen, und wenn der Kunde sagt: "Das gefällt mir" - Kein Problem. Es gibt ja auch viele Cuvée-Weine, die eben ohne Rebsorte auf dem Etikett auskommen, da kann zum Beispiel auch eine PIWI drin sein - eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte - und der Kunde sagt: "Schmeckt aber gut, den kaufen wir, den nehmen wir." Die Jüngeren - sagen wir es mal so - sind generell eher etwas aufgeschlossener. Aber: Die Älteren - wenn man den Älteren erklärt, warum man das angepflanzt hat, dann macht es auch relativ schnell "Klack" und - gerade im Hinblick auf Umweltentlastung, auf den Bio-Gedanken, auf den... ...Nachhaltigkeitsgedanken, ist es dann schon ein sehr grosses Argument, um die Rebsorten näher zu bringen. Die wichtigsten Anhaltspunkte sind im Prinzip, sagen wir mal so, angefangen beim gesunden Traubenmaterial - gesundes Traubenmaterial hat viel weniger Schwefelbedarf später im Wein. das ist ja auch der Hauptgedanke von Delinat, möglichst den Schwefel zu reduzieren auf ein gewisses Minimum, um einfach dann die Weine noch bekömmlicher zu machen. Das ist natürlich hier schon ein Vorteil, wenn ich gesundes Traubenmaterial habe. Und wenn ich dann noch die Natur entlasten kann, die Umwelt entlasten kann mit Pflanzenschutzmitteln, wir müssen ja auch Pflanzenschutz betreiben im Bio-Weinbau. Und wenn man da noch einmal eine Stufe weiter runter kommt, oder um einiges runter kommt, fast ohne auskommt - ganz ohne geht es nicht, aber fast ohne - dann haben wir natürlich einen guten Schritt in Richtung Zukunft getan.

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