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Glyphosat im Weinbau: Der Widerstand wächst

Es ist laut WHO wahrscheinlich krebserregend und trägt weltweit seit Jahrzehnten massgeblich zum Artensterben bei: Trotzdem ist das meistverkaufte Pestizid der Welt immer noch erlaubt und wurde im Jahr 2023 von der EU-Kommission für weitere zehn Jahre zugelassen.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass vor ein paar Monaten eine der meistzitierten Glyphosat-Studien zurückgezogen wurde, weil aufgedeckt wurde, dass der Hersteller Monsanto die Autoren beeinflusst hat und die Schädlichkeit des Pestizids gezielt verharmlost wurde. Diese Studie hat seit der Veröffentlichung im Jahr 2000 massgeblich die öffentliche Debatte über das Umweltgift geprägt und beeinflusst, obwohl jetzt bekannt ist, dass sie wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Was ist Glyphosat?
Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid weltweit und wird seit über 50 Jahren unter dem Namen „Roundup» verkauft. Es tötet sämtliche Pflanzen, indem es einen für sie lebenswichtigen Stoffwechselprozess blockiert, den Menschen und Tiere nicht besitzen. Die schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind auch nach fünf Jahrzehnten nicht vollständig erforscht. Ab den 1990er-Jahren wurden gentechnisch veränderte Pflanzen von Monsanto entwickelt und patentiert, die gegen Glyphosat resistent sind, wodurch sich sein Einsatz weltweit stark ausweitete.

Glyphosat im Weinbau: Wie lange noch?

Im biologischen Qualitätsweinbau ist man sich einig, dass der Einsatz von Glyphosat negative Folgen für Böden, Biodiversität und Weinqualität mit sich bringt, deshalb sind Herbizide grundsätzlich verboten. Im konventionellen Weinbau (leider immer noch die Mehrheit der Rebflächen) sieht es jedoch immer noch anders aus: Bei einer Probe vor ein paar Jahren enthielten noch über 60 Prozent der konventionell produzierten Weine in Deutschland Rückstände von Glyphosat. Diese Zahl ist hoffentlich mittlerweile etwas gesunken, doch Glyphosat-Einsatz im Weinbau sieht man immer noch in vielen Weinregionen.

Und jetzt wächst der Widerstand noch einmal: Ein internationales Bündnis aus Weingütern, Händlern und Weinexperten ruft zum Boykott von Weinen auf, wo Glyphosat eingesetzt wurde. Ziel ist es, den Druck auf die Weinbranche zu erhöhen und den Einsatz chemischer Herbizide im Weinbau zu beenden. Konsumentinnen und Konsumenten wird empfohlen, nur Weine aus biologisch oder biodynamisch zertifizierten Betrieben zu kaufen. Zudem spricht die Initiative Händler, Gastronomen, Sommeliers, Weinjournalisten und Verkoster an. Sie sollen Weine aus Herbizid-Anbau weder verkaufen noch empfehlen und das Thema öffentlich diskutieren. Ein wichtiger Schritt in eine gute Richtung.

10 Gründe, wieso Glyphosat verboten werden sollte

Hier noch einmal zusammengefasst 10 Gründe, wieso Glyphosat endlich verboten werden sollte und für eine Landwirtschaft mit Zukunft nicht kompatibel ist:

  1. Biodiversitätsverlust: Der Einsatz von Glyphosat reduziert die Begrünung zwischen den Rebzeilen, was Insekten, Vögeln und anderen Nützlingen den Lebensraum entzieht. Glyphosat schädigt ausserdem direkt Nützlinge wie Bienen, Insekten, Spinnen, Amphibien und Bodenlebewesen. Nimmt der Bestand von Insekten ab, folgt daraus Artenschwund bei anderen Tieren.
  2. Einfluss auf Bodenleben, Mikrobiom und Wurzelgeflechte: Glyphosat kann die mikrobielle Vielfalt im Boden stören, was sich negativ auf die Nährstoffaufnahme der Rebstöcke und langfristig auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt.
  3. Terroir-Ausdruck und Weinqualität: Da die Qualität eines Weins wesentlich vom Bodenleben und der Bodenqualität abhängt, reduziert ein gestörtes Bodenmikrobiom die Komplexität und Authentizität des Weincharakters.
  4. Rückstände im Wein: Glyphosat-Rückstände wurden in zahlreichen Weinen nachgewiesen, was bei Konsumentinnen und Konsumenten Bedenken hinsichtlich der Reinheit und Natürlichkeit des Produkts weckt.
  5. Erosionsrisiko: Gerade in Steillagen führt der Verzicht auf Bodenbedeckung (durch Herbizideinsatz) zu erhöhter Erosionsgefahr, was langfristig die Bodenqualität und Bewirtschaftbarkeit gefährdet.
  6. Höhere Kosten und Abhängigkeit von Agrarkonzernen: Landwirtschaftsbetriebe, die auf Glyphosat setzen, geraten oft in eine Spirale wiederkehrender Käufe von Pestiziden grosser Agrarkonzerne, was die wirtschaftliche Unabhängigkeit einschränkt und längerfristig grosse Kosten verursacht. Glyphosat tötet alle Pflanzen mit Ausnahme derjenigen Kulturpflanzen, die gentechnisch durch diese Firmen verändert und patentiert wurden. Diese Abhängigkeit ist perfid und toxisch für Bauern und Umwelt.
  7. Risiken für Landwirtinnen und Landwirte: Personen, die regelmässig mit Glyphosat arbeiten, sind potenziell höheren Expositionsrisiken ausgesetzt, weshalb ein Verbot auch ein Schutz für die Anwenderinnen und Anwender bedeuten würde.
  8. Gesundheitsrisiken für Mensch & Umwelt: Glyphosat gelangt auf unterschiedlichsten Wegen in den menschlichen Körper, oft unsichtbar und unbemerkt über Nahrungsmittel, Trinkwasser oder die Luft. Verschiedene Studien zeigen negative Auswirkungen auf die Gesundheit; es ist sehr wahrscheinlich krebserregend, kann das Nervensystem schädigen, das Mikrobiom im Darm beeinflussen und oxidativen Stress verursachen.
  9. Es geht auch ohne: Bio-Landwirtinnen und Landwirte auf der ganzen Welt beweisen, dass der Anbau von Wein und anderen Kulturen ohne Glyphosat bestens möglich ist. Es gibt viele Alternativen, die umweltfreundlicher und nachhaltiger sind. Dazu gehören etwa mechanische Unkrautbekämpfung und die Förderung von Biodiversität.
  10. Nur regenerative Landwirtschaft hat Zukunft: Ohne Glyphosat müssen Landwirtinnen und Landwirte auf Begrünung, Mischkulturen und mechanische Bodenpflege setzen, was den Boden lebendig hält und mehr Pflanzen-, Insekten- und Tierarten in die Anbauflächen zurückbringt. So entsteht mit der Zeit wieder ein natürliches Gleichgewicht, in dem sich Nützlinge, Bodenleben und Kulturpflanzen gegenseitig stärken. Das ist die Grundlage für eine biologische Landwirtschaft mit Zukunft.

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