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Château Duvivier: Weingut als Zukunftslabor

Extremwetter, Wasserknappheit, Erosion, Verlust der Biodiversität: Die Liste der Herausforderungen wird länger. Doch es gibt Hoffnung – und konkrete Lösungsansätze. Ein Ort, an dem seit über 30 Jahren intensiv an einem zukunftsfähigen Weinbau geforscht wird, ist das Delinat- Modellweingut Château Duvivier im Süden Frankreichs. Hier zeigen sich Wege, wie Wein auch morgen noch nachhaltig und ohne Bewässerung gedeihen kann.

Blogartikel von Olivier Geissbühler

Während in vielen Regionen der Weinbau immer mehr Wasser verschlingt, verfolgt das Delinat-Weingut Château Duvivier ein ambitioniertes Ziel: Weinbau ohne künstliche Bewässerung. Das klingt gewagt – ist aber möglich. Auch dann, wenn es lange Trockenperioden und plötzliche Starkregen mit bis zu 100 Millimetern Niederschlag pro Stunde gibt. Voraussetzung dafür ist ein ganzheitliches Wassermanagement.

Das Geheimnis liegt in der Wasserretention. Statt Regenwasser ungenutzt abfliessen zu lassen, werden die Niederschläge auf dem Gelände gesammelt und versickern. Dazu wurden Teiche, Rückhaltebecken und kleine Gräben angelegt – ein intelligentes Netzwerk, das gleich doppelt wirkt: Es speichert Wasser für Trockenzeiten und reichert das Grundwasser gezielt an. Gleichzeitig entsteht ein Paradies für Tiere und Pflanzen – also echte Biodiversitäts-Hotspots.

Mehr als Reben: Agroforst und Permakultur im Weinberg

Château Duvivier setzt bewusst auf Agroforstsysteme. Zwischen die Reben wurden in den letzten Jahren über 1500 Bäume gepflanzt. Diese spenden Schatten, verbessern den Boden und locken Nützlinge an. Obendrein wird mit dem sogenannten Keyline-Design gearbeitet. Das bedeutet: Rebzeilen werden entlang der Höhenlinien gepflanzt, um Regenwasser besser zu speichern und Erosion zu verhindern.

In den Reben braucht es Leben. Um dies zu fördern, werden gezielt Nützlinge angelockt: Meisennistkästen, Fledermausquartiere und Greifvogelsitzstangen sind in den Reben zu finden – einfache, aber wirkungsvolle Mittel zur natürlichen Schädlingskontrolle. Denn je mehr Nützlinge, desto weniger Probleme mit Schädlingen – und desto weniger Bedarf an Pflanzenschutz.

Bodenpflege: Von Wurzeln, Walzen und Würmern

Ein guter Wein beginnt im Boden. Begrünungen – ob spontan oder gesät – werden üblicherweise im Mai flach gewalzt. Die Pflanzen vertrocknen, bedecken den Boden wie eine schützende Decke und halten die Temperatur idealerweise auf unter 25 Grad. Bei diesen Temperaturen können nämlich die Mikroorganismen überleben und der Boden bleibt aktiv. Im Herbst wird mit Direktsaat gearbeitet, um Erosion zu vermeiden und den Boden besonders schonend zu bearbeiten.

Komposttee ist ein Boost für Mikroorganismen. Aus Kompost, Algenmehl, Erbsen und Melasse wird ein hochaktiver Mix gebraut, der Leben in den Boden bringt. Die Ausbringung geschieht per Drohne anstatt Traktor. Das schützt die Bodenstruktur und spart Diesel. Der Strom für die Drohne kommt vom eigenen Solardach.

Das Ziel: Fossile Energie auf Null reduzieren. In Zukunft sollen noch mehr elektrische Geräte zum Einsatz kommen – bald vielleicht sogar der erste E-Traktor im Weinberg. Château Duvivier zeigt, wie sich Ökologie und Technik sinnvoll verbinden lassen.

PIWI-Power: Die Rebsorten der Zukunft

Ein weiterer Baustein der Zukunft: Robuste PIWI-Rebsorten. Sie brauchen kaum Pflanzenschutz und trotzen Pilzkrankheiten. Auf Château Duvivier wachsen bereits über 250 verschiedene PIWIs. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Züchter Valentin Blattner wird jedes Jahr weitergezüchtet. Das Ziel: krankheitsresistente, trockentolerante Sorten, die auch geschmacklich überzeugen.

Château Duvivier ist mehr als ein Weingut – es ist ein Reallabor für nachhaltigen Weinbau. Permakultur, Wassermanagement, Agroforst, Komposttee und PIWIs: All diese Elemente greifen ineinander. Das Ergebnis ist ein vielfältiges, resilienteres Ökosystem – und Weine, die nicht nur nachhaltig, sondern auch qualitativ überzeugend sind. Château Duvivier zeigt, wie nachhaltiger Weinbau in Zukunft aussehen kann.

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