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Permakultur als Antwort auf den Klimawandel

Lange Trockenperioden und seltene, aber extreme Starkniederschläge machen den Weinbau in der französischen Provence immer schwieriger. Um diesen Klimaveränderungen entgegen zu wirken, wurde auf dem Delinat-Forschungsweingut Château Duvivier ein zukunftweisendes Permakultur-Konzept entwickelt: Bei Niederschlägen wird so viel Wasser wie möglich auf der Betriebsfläche gesammelt. In trockenen Perioden kann von diesen Reserven gezehrt werden und der Grundwasserspiegel wird dauerhaft erhöht. So konnte auf Château Duvivier bisher eine ressourcen-intensive Bewässerungsanlage vermieden werden. Im Video erklärt der Delinat-Winzerberater Daniel Wyss, welche Massnahmen in den letzten Jahren realisiert wurden.

Transkript
Was wir in den letzten Jahren gemerkt haben ist, dass es immer wie trockener wird. Längere Trockenperioden - und wenn es regnet, sehr starke Niederschläge innert kurzer Zeit. Wir haben nach einer extrem langen Trockenzeit von 1,5 Jahren im letzten Oktober innerhalb von einer Stunde 100 Millimeter Niederschlag gehabt und innerhalb von 24 Stunden 200 Millimeter. Und das ist bei einer Jahresniederschlagsmenge von 400-700 einfach eine gigantische Menge. Und das Problem ist, dass wir uns wappnen müssen für diese Zeit. Bei Stark-Niederschlag Retentionsflächen bereitstellen, damit das Wasser gut versickern kann und nicht alles abgeschwemmt wird. Und vor allem, damit es nicht ausserhalb der Betriebsfläche versickert. Das Konzept ist wirklich, alles Wasser, das auf die Fläche fällt, alles Wasser, das auch vom Berg hinunter fliesst, auf die Betriebsfläche zu führen und hier am Grundwasser zuführen. Hier stehen wir auf dem höchsten Punkt von Château Duvivier, von den Rebflächen. Und was wir jetzt hier versucht haben ist: Wir haben das Regenwasser, das bei Starkregen hier auf dem Weg hinunterfliesst, leiten wir hier auf unsere Betriebsfläche. und leiten es dann in unser erstes Versickerungsbecken. Bei Starkregen kommt jetzt hier das Wasser aus dem kleinen Wald und fliesst hier wie ein Bach in diese erste Versickerungsfläche. Das Gesamtkonzept hier auf dem Château ist, dass wir den gesamten Regen, der auf die Fläche fliesst, hier zum versickern bringen. Was hier speziell ist, weil wir hier am höchsten Punkt von Château Duvivier sind: Wir leiten sogar von oberhalb - vom Weg - das Wasser hier hinein leiten, weil das jeweils wie ein Sturzbach kommt bei Starkniederschlägen von 100 Millimetern in einer Stunde, was auch schon passiert ist. Dann füllen wir es hier ein und geben dem Wasser Zeit, damit es versickern kann. Vor allem wenn man jetzt vergleicht, mit konventionellen Nachbarn, die den Boden bearbeiten und teilweise Herbizid benützen, ist es klar: Es gibt oberflächliche Erosion, das Wasser kann nicht gut versickern und es fliesst oberflächlich weg und verursacht grosse Schäden, der gesamte fruchtbare Oberboden erodiert und geht weg. Und wir ermöglichen überall auf unserer Betriebsfläche, dass alles versickern kann nebst diesen Retentionsflächen lockern wir auch die Reben in den Rebzeilen mit dem Untergrundlockerer, damit es gut infiltrieren kann. und da wir eine Dauerbegrünung haben, gibt es keine Erosionsschäden und auch das hilft, um das Wasser versickern zu lassen. Hier sieht man jetzt quasi den Randstreifen der Reben, der über 1000 Quadratmeter umfasst. Vor unseren Massnahmen ist das gesamte Wasser in dieses Tobel hier abgeflossen. und hier haben wir wirklich hunderttausende von Litern Wasser verloren, wenn es einmal stark geregnet hatte. Was wir jetzt gemacht haben: Wir haben die Inklination verändert und in Richtung Rebberg gemacht. Wir haben hier einen Graben gemacht mit Kies wo das Wasser drin läuft, und dann in ein Versickerungsbecken weiter unten fliesst. Und hier ist es jetzt gerade frisch bearbeitet, weil wir da Gras eingesät haben, damit wir ebenfalls weniger Erosion haben. Was wir jetzt noch zusätzlich gemacht haben letzten Herbst, wir haben mehrere Hundert Bäume in die Reben gepflanzt. Auch Bäume in den Reben helfen, dass bei Starkniederschlag das Wasser bessern versickern kann durch die Wurzeln. Und das Interessante ist, dass in sehr trockenen Zeiten, im Hochsommer, wenn es drei bis sechs Monate nicht regnet, können diese Wurzeln aus tieferen Schichten Wasser heraufholen und für die Reben verfügbar machen. Hier sehen wir jetzt ein Versickerungsbecken da entlang dieser Hecke. Hier haben wir lediglich einen Graben ausgehoben und einen Damm gebaut, der wasserundurchlässig ist. Und jetzt kommt das gesamte Wasser, welches da hinten durch über den Weg läuft, führen wir hier rein und hier lassen wir ihm Zeit, damit es hier versickern oder länger stehen bleiben kann. Das ist natürlich auch sehr wertvoll als Biotop, für Lebewesen, die hier trinken kommen, Kleinsäuger, aber auch Amphibien, ich habe zwar jetzt noch keinen Laich gesehen, aber das ist gut möglich, dass hier auch Frösche laichen kommen. Hier sieht man eine der Hecken, welche quer zum Hang gepflanzt wurde. Und das hilft ganz wesentlich, wenn Wasser von oben kommt, kann es hier bessern versickern. was wir jetzt in diesem Fall noch speziell gemacht haben ist ein ein kleiner Kanal, damit das Wasser noch länger hier stehen bleiben und schön versickern kann. Hier sind wir jetzt im untersten Teil von Château Duvivier. Hier wird in fünf Teichen, das Wasser von den Betriebsflächen oberhalb gesammelt. Und diese Teiche sind ein wichtiges Angebot und eine Verbesserung der Biodiversität. Sie dienen als Biotop für Insekten, für Amphibien, für Vögel, für Fledermäuse als Jagdrevier und die Wassermengen kommen in Kaskaden vom einen in den nächsten Teich. und werden zuunterst im grossen See gesammelt. Im Hintergrund von mir sehen Sie den grossen See mit 3000 Quadratmetern, der auch etwa 3000 Kubikmeter Wasser drin hat. Wir haben hier lediglich einen wasserundurchlässigen Damm gebaut, der das Abfliessen des Wassers von der Betriebsfläche verhindert. Und der Rest wird hier gehalten, dient als Wasserfläche, als Biotop, aber auch zur Grundwasser-Anreicherung, überall kann hier das Wassern auch versickern und hebt schlussendlich den Grundwasserspiegel. Auf Château Duvivier mussten wir bisher noch nie die Reben bewässern. Und damit das auch in Zukunft möglich bleibt, haben wir die Wasserretentionsflächen und die Permakultur-Massnahmen ergriffen. Das Ziel ist, überall alles Wasser versickern lassen, den Grundwasserspiegel wieder anzuheben, so dass das Wasser auch für die Reben verfügbar ist. Und so hoffen wir auch in Zukunft, mit der Klimaerwärmung, keine Bewässerung hier installieren zu müssen.

16 Kommentare

  1. Dieses Video anzuschauen war mir eine große Freude. Man sieht, es geht. Man muss es nur wollen. Ein Vorbild auch für andere Bereiche, die nichts mit dem Weinanbau zu tun haben.

    1. Lieber Herr Lechte

      Vielen Dank für das positive Feedback. Sie haben komplett recht – die Ansätze der Permakultur könnte (und sollte) man in sämtlichen Landwirtschaftsbereichen anwenden!

      Liebe Grüsse
      Olivier

  2. Da ist viel erarbeitet worden auf Château Duvivier: Vorbildlich. Motiviert mich gerade wiedermal für eine Ferienwoche in die Provence zu kommen und das alles vor Ort kennenzulernen und meine Permakultur-Kenntnisse zu verbessern! Danke für das gutgemachte Video!

  3. Diese Investitionen lohnen sich ganz bestimmt. Durch die bessere Resilienz wird Château Duvivier künftig Wein produzieren können, wenn konventionelle Nachbarbetriebe versagen. Ich bin stolz, seit 25 Jahren als Kleinaktionär dabei zu sein!

    1. Lieber Herr Schürmann

      Sie haben das richtig erkannt; die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen wird in Zukunft eines der Hauptthemen der Landwirtschaft werden. Wir hoffen, dass wir mit unseren Massnahmen auf Château Duvivier auch in 25 Jahren noch Wein produzieren können!

      Liebe Grüsse
      Olivier

  4. Sehr interessant zu sehen, was mit Initiative, gutem Willen und Wissen geschafft werden kann. Vielen Dank für das aufschlussreiche Video.

    1. Liebe Frau Köpfli

      Vielen Dank für die Rückmeldung, es freut uns, wenn die Anstrengungen von Delinat wahrgenommen werden.

      Liebe Grüsse
      Olivier

  5. Ein beeindruckendes Konzept, um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren und eine künstliche Bewässerung zu vermeiden! 😀

    1. Delinat – das, was ihr da an Biodiversität auf Chateau Duviviere an Biotopen angelegt habt, das ist großartig. Ich hoffe, dass euch die Politik in der Schweiz auch mit finanziellen Mitteln unterstützt und Ihr als Vorbild für viele Weingüter , viele Menschen als Vorreiter für einen menschenfreundlichen Umgang mit unserer Natur erlebt werdet. Danke für eure Informationen, das ist große Klasse

      1. Liebe Frau Birke

        Leider wird nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz noch nicht sehr umfassend gefördert. Wir bemühen uns jedoch, unsere Erfahrungen mit anderen Weingütern und Winzern zu teilen, damit der Weinbau in Europa ökologischer werden kann.

        Liebe Grüsse
        Olivier

    2. Lieber Herr Kreis

      Ja – wir hoffen, dass wir auch in Zukunft unseren Wein auf Château Duvivier ohne künstliche Bewässerung produzieren können. So können Energie- und Wasserressourcen geschont werden und mit den Teichen wird zudem die Biodiversität gefördert.

      Liebe Grüsse
      Olivier

  6. Ohne übertreiben zu wollen…so sieht doch künftige Landwirtschaft aus: engagierte Forschung gekoppelt mit praktischer Ingenieurskunst erprobt derartige zukunftsfähige und skalierbare Konzepte. Dies scheint mir ein inspirierendes Projekt zu sein.
    Ich finde, hier in diesen lebenswichtigen Bereichen könnten doch staatliche Akteure und Mittel baldmöglichst mit von der Partie sein, denn diese Pionierinvestitionen werden wohl irgendwann – zumindest als Wissen&Erfahrung – allen zugutekommen.

    1. Lieber Herr Varsalona

      Das sehe ich genau so. Wenn auch zukünftige Generationen noch ein funktionierendes Ökosystem haben wollen, muss die Landwirtschaft in vielen Bereichen nachhaltiger werden. Viele ökologische Konzepte gibt es schon lange – sie müssten nur konsequent umgesetzt werden. Leider setzt die Politik immer noch viel zu stark auf kurzfristige Ertragsmaximierungen und fördert Nachhaltigkeit nur sehr punktuell, was längerfristig auf Kosten der Umwelt geht…

      Liebe Grüsse
      Olivier

  7. Walter Baur und Sonja Dolderer:
    Eigentlich weiss man das über Permakultur schon alles . Nur unsere politisch Verantwortlichen und die vermeintlichen Landwirtschaftsexperten wissen das offensichtlich nicht. Diese Methode ist für den ganzen Planeten lebens- und überlebensnotwendig. Aber die meisten Menschen wissen ja nicht mal, wie viel Wasser sie im Jahr verbrauchen. Sie schimpfen nur über die Wasserrechnung und haben selbst kein Bewusstsein für das Wassersparen. oder auch bei anderen Ressourcen.

    1. Liebe Frau Dolderer, lieber Herr Baur

      Sie haben recht: Die Permakultur-Ansätze werden zum Teil schon seit Jahrhunderten erfolgreich angewendet. Kurzfristige Ertragssteigerungen auf Kosten der Umwelt scheinen jedoch in den letzten Jahrzehnten wichtiger gewesen zu sein. Mittlerweile sollte jedoch allen bewusst sein, dass die Ressourcen auf unserem Planeten nicht unendlich sind…

      Liebe Grüsse
      Olivier

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