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Bordeaux braucht Sorten, die wirklich robust sind

Zu früh reif und zu krankheitsanfällig: Im prestigeträchtigen Weinbaugebiet Bordeaux haben die Winzer zunehmend Mühe, mit traditionellen Traubensorten Weine von hoher Qualität zu erzeugen. Abhilfe können nur neue, robuste Rebsorten schaffen. Erste vorausschauende Betriebe wie das Delinat-Weingut Château Couronneau setzen bereits darauf.

Blog-Beitrag von Olivier Geissbühler

Das Bordelais gehört seit Jahrzehnten zu den grössten und renommiertesten Weinbau-Regionen weltweit und hat immer noch eine grosse Strahlkraft. Doch das Image bröckelte in den letzten Jahren: Pestizid-Skandale und eine massive Überproduktion sorgten zuletzt für wenig erfreuliche Schlagzeilen.

Dazu kommen die Schwierigkeiten, die dem Klimawandel geschuldet sind: Heisse, trockene Sommer wie dieses Jahr sorgen dafür, dass die bei Bordeaux angebauten Sorten immer früher reifen. Traditionelle Traubensorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc verlieren so Säure und haben einen hohen Zuckergehalt. Dies führt dazu, dass der Alkoholwert im Wein steigt und die Bordeaux-Weine an Eleganz verlieren. Die weitverbreitete und frühreife Sorte Merlot dürfte deshalb schon in 20 Jahren in weiten Teilen des Bordelais nicht mehr angebaut werden.

Aber nicht nur Hitze und Trockenheit ist ein massives Problem. Auch der hohe Krankheitsdruck in der Bordeaux-Region sorgt für Schwierigkeiten: Der nahe Atlantik bringt viel Feuchtigkeit, was in Kombination mit Sonne und Hitze im Sommer ein idealer Nährboden für Pilzkrankheiten darstellt. Vor allem der Falsche Mehltau macht es für die Winzer schwierig, sparsam mit Pflanzenschutzmitteln umzugehen. Lange Zeit hiess es, biologischer Anbau sei unter diesen Bedingungen im Bordelais gar nicht möglich, man müsse chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verwenden. Diese Einstellung ändert sich nun langsam.

Neue Sorten sollten nicht nur später reif, sondern auch krankheitsresistent sein

Um im globalen Weinmarkt weiterhin erfolgreich bestehen zu können, muss auch die traditionelle Weinbau-Region Bordeaux umdenken. Das bedeutet, innerhalb der Appellation müssen neue Sorten zugelassen werden, damit auch Qualitätswinzer zukünftig auf andere Rebsorten ausweichen und ihren Wein als «Bordeaux-Wein» vermarkten dürfen. Ein erster (kleiner) Schritt wurde bereits getan, wie im SRF-Beitrag erwähnt wird: Die nationale Zulassungsbehörde Inao lässt seit kurzem die portugiesische Sorte «Touriga National» in der Bordeaux-Region zu. Diese reift später, aber ähnelt im Geschmack den traditionellen Bordeaux-Sorten. Sie darf nun vorerst mit einem Anteil von maximal fünf Prozent den Weinen beigefügt werden.

Diese neue Sorte wird jedoch für Bordeaux kein «Game-Changer» werden, denn sie ist genau so krankheitsanfällig wie andere traditionelle Rebsorten und ist angewiesen auf intensiven Pflanzenschutz. Um den Herausforderungen der zukünftigen Klimaveränderungen zu begegnen, braucht es etwas mehr Mut. Das heisst, es sollten wirklich robuste Sorten zugelassen und angepflanzt werden, welche auch gegen die Krankheiten resistent sind. Selbst wenn sich dabei die Stilistik der Bordeaux-Weine durch den schrittweisen Sortenwechsel über die Jahre hinweg etwas verändert: Immerhin kann der Weinbau weiter bestehen. Dass dieser Sortenwechsel schlussendlich eine Existenzfrage ist, zeigt auch die Entwicklung in anderen Regionen: Erste Zulassungen von PIWI-Sorten gab es dieses Jahr bereits in der Champagne.

Château Couronneau – vom Bio-Pionier zum PIWI-Pionier

Eines der ersten Bordeaux-Weingüter, welches das Potenzial von pilzwiderstandsfähigen Sorten (Piwis) bereits erkannt hat, ist das Delinat-Weingut «Château Couronneau». Die Winzerfamilie Piat galt bereits in den 1990er-Jahren als Bio-Vorreiter und diese Pionierrolle hält sich bis heute.

Ökologische Vorreiter im Bordeaux-Gebiet: Das Delinat-Weingut Château Couronneau
Das Delinat-Weingut Château Couronneau zeigt, wie der Weinbau der Zukunft in Bordeaux funktionieren kann.

Um Kupfer-Anwendungen zu vermeiden, setzt das Weingut auf robuste Rebsorten und plant auch, diese Strategie konsequent weiterzuverfolgen. Notfalls wird dafür auch ein Wein ausserhalb der Appellation produziert. Oder wie es der Nachfolge-Winzer Grégoire Piat ausdrückt: «Man muss nun den ersten Schritt machen, um gewisse Dinge in Bewegung zu bringen.»

Sollte Bordeaux auf neue Rebsorten umschwenken oder bei den traditionellen Sorten bleiben ? Schreibe deine Meinung in die Kommentare!

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