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Zu Besuch bei der Domaine Meyer: Gibt es bald auch neue Rebsorten im Elsass?

Eugène Meyer hat vor über 40 Jahren als einer der ersten Winzer im Elsass begonnen, sein Weingut auf biologische Produktion umzustellen. Seitdem wurde diese Strategie stetig weiterentwickelt und von den kommenden Generationen konsequent weitergeführt. Im Video besuchen Arina Schefer und Emil Hauser von Delinat das Familien-Weingut.

François Meyer (2. Generation) und Xavier (3. Generation) erklären, was sie anders machen als konventionelle Weinbauern und wieso die Zusammenarbeit mit Delinat so wichtig ist. Und die Innovation geht weiter: Das Pionier-Weingut könnte einer der ersten Betriebe werden, welcher resistente Rebsorten im Elsass anbaut.

Transkript
Ich bin Xavier Meyer, Winzer beim Weingut Meyer im Elsass. Es ist ein Familienweingut seit 1620. Wir arbeiten auf dem Weingut mit der ganzen Familie, also mit meinem Vater und Grossvater. Mein Grossvater hat mit der biodynamischen Landwirtschaft 1969 angefangen nach einer Vergiftung an chemischen Produkten. Seitdem arbeiten wir so. Wir spritzen andere Sachen als unsere Nachbarn, wir spritzen hauptsächlich mit Tees. Mit Beinwell, Acker-Schachtelhalm, Brennessel, solche Sachen. Wir benutzen trotzdem ein bisschen Kupfer und Schwefel, aber nur homöopathische Dosen. Das ist, um der Pflanze die Information zu geben, damit sie selbst die Schädlinge bekämpfen kann. Also am Anfang hat man das Resultat sehr gut gesehen, weil die Rebe hat ihren Platz noch nicht gefunden. Aber jetzt nach so vielen Jahren Biodynamik sieht man, dass die Rebe sehr gesund ist, sie hat Trauben, hat keine Krankheitsanfälligkeit, im Gegensatz zu unseren Nachbarn. Und wir brauchen weniger zu spritzen Und ja, man sieht, es ist lebendig. Es ist immer der Mehltau, der kompliziert zu bekämpfen ist. Aber wir kriegen es immer, jedes Jahr, in den Griff. Man hat eine kleine Ertragsverminderung deswegen, aber nichts Schlimmes. Was gut ist mit Delinat: Wir sind eine Familie. Wir wachsen und arbeiten zusammen. Man hat immer ein Gespräch, was man machen kann, machen soll und so. Seitdem wir mit Delinat arbeiten, haben wir immer mehr Hotspots, Begrünung und Tiere. Wir wachsen gemeinsam und versuchen, immer besser zu werden, grüner zu werden, und eine bessere Nachhaltigkeit zu haben. Wir haben seit einigen Jahren Solarzellen auf dem Dach und wir benutzen immer weniger Strom oder Benzin deswegen und wir sind bald ein grüner Betrieb, der so viel Energie produziert wie er verbraucht. Mit zwei Generationen zu arbeiten, ist schon ein bisschen schwierig. Also wir sind zu Dritt, mein Grossvater, mein Vater und ich seit zwei Jahren. Und mein Grossvater hat alles schon gemacht, hat sehr viel Erfahrung, was Jahrgänge angeht, ob es trocken oder warm ist. Er ist immer da und guckt, was mein Vater und ich machen. Mein Vater ist der Chef. Er guckt, ob alles gut läuft und ich bin hier, mache kleine Versuche, arbeite mit meinem Vater Hand in Hand. Im Elsass, wenn man die Landschaft anguckt, ist es so wie ein Meer von Reben. Früher hat man überall Hecken und Bäume gehabt und jetzt nicht mehr. Wir wollen versuchen, wieder mehr Hecken und Bäume in diese Landschaft einzubringen, damit wir dieses "Meer" ein bisschen brechen können. Wir wollen immer weniger Produkte benutzen und immer besser und grüner werden. Wir wollen ein Paradies für alle Lebewesen schaffen, für Eidechsen, für Käfer, für alles. Und dann Steinrudel anpflanzen, Hecken, Orchideen, alles was hier schon einheimisch ist und die Bevölkerung von Vögel und Eidechsen fördern. Im Elsass gibt es bis jetzt keine PIWIs, weil unsere Regelung ist ein bisschen dagegen, aber wir würden schon gerne PIWIs anpflanzen In den zwei nächsten Jahren werde ich eine Lage PIWIs anpflanzen und Wein daraus machen. Es sind die Regelungen von der AOC, die macht alles ein bisschen schwierig, weil im Elsass gibt es sehr alte Gesetze, welche Flasche oder welche Rebsorten man benutzen darf oder nicht. Und deswegen ist diese Rebsorte noch nicht erlaubt und man hat Probleme, um sie zu erlauben. Eigentlich könnte man sehr schöne Weine daraus machen, aber wer es nicht versucht... Du hast hier so Rosen gepflanzt beim Anfang der Rebzeile, was für ein Vorteil oder Nutzen bringt das? Die Rosen haben normalerweise immer die Krankheiten so 8 bis 10 Tage vor den Reben, dann ist es eine Indikation, wenn die Krankheit kommt, sieht man es auf den Rosen zuerst. Also auf den Blüten? Auf den Blättern. Also wie ein Früh-Indikator, jetzt ist dann eine nächste Behandlung notwendig. Ja, das ist es. Das erspart das Beobachten. Ja, und ist schön. Da sehe ich auf dem Boden - wenn du da ein bisschen auf die Seite trittst - so wie Nudeln liegen da die Gräser oder die Sträucher auf dem Boden, was hast du da gemacht, und wieso? Da haben wir eine Mischung von acht Pflanzen gesät im letzten Jahr, im August, und die haben wir vor zwei Wochen gewalzt. Und die bleibt dann so, da kann man ruhig drauf fahren für alle Arbeiten mit dem Schlepper. Und die bleiben so bis nächstes Jahr und im August säen wir dann diese Mischung in die andere Zeile und diese wird dann bearbeitet. Und die Funktion ist die Feuchtigkeit im Boden zu behalten, den Boden zu schützen? Ja, das ist wenn so eine Knall-Hitze ist wie im Moment, dann bleibt unter diesem gewalzten Roggen und Pflanzen bleibt es immer feucht. Und die Hitze vom Boden ist viel geringer unter diesem Gras als auf offenem Boden. Man gewinnt so 3-5 Grad. Xavier, erzähl uns doch mal, wie der Weinberg hier gelegen ist, hat der Wald irgendeinen Einfluss hier auf die Reben? Ja, der Wald hat schon einen Einfluss. Man hat einen Wasserspeicher dank des Waldes Das Elsass ist eine sehr trockene Region, man hat maximal 500 Millimeter Niederschläge im Jahr, und deswegen Wald mit Wasserspeicher hilft. Und mit dem Wald hat man auch immer ein bisschen mehr Luftfeuchte und bessere Reifung. Und Krankheiten? Spielt das eine Rolle für Krankheiten? Sind die anfälliger hier die Reben? Eigentlich nicht. Auch nicht wegen der Feuchtigkeit? Ne, ist nicht so eine hohe Luftfeuchtigkeit, also man hat nicht so viele Krankheiten. Also eigentlich die Top-Lage für euch hier? Ja, Grand-Cru-Lage, beste. Habt ihr denn hier Probleme mit Erosion, weil es steil ist, oder gibt das keine Probleme? Früher hatten wir Probleme mit Erosion, aber deswegen haben wir eine Begrünung eingesetzt, damit man viel weniger Erosion hat. Und ja, es hilft ziemlich gut gegen Trockenstress und Erosion. Was habt ihr denn hier begrünt? Wir haben eine Mischung aus Roggen, Wicken, Erbsen... Radieschen und ganz viele verschiedene Pflanzen. Aus irgendeinem Grund diese besondere Mischung hier oder habt ihr das überall so eingesät? Hier auf dem Dorf haben wir überall diese Mischung, aber die Lagen, die ein bisschen mehr Trockenstress haben, haben wir eine andere Mischung, die besser für Trockenstress geeignet ist. Also diese Mischung ist besonders gut für ein bisschen mehr Feuchtigkeit? Ja, mehr Feuchtigkeit und eine leichte Stickstoff-Beeintragung an der Rebe. Das heisst, das sind Leguminosen hauptsächlich? Ja. Es ist Mitte Juni, es ist warm und feucht, die schlechteste Bedingung für einen Rebgarten, also da muss man wirklich die Blätter schützen, und wenn ich so deine Blätter anschaue von deinem Rebberg, die sind wunderbar grün und ich sehe keine Peronospora-Flecken? Es gibt einige Flecken, aber nicht so viel. Die Hauptsache, wenn man so einen Weinberg bewirtschaftet ist, man muss immer das Meteo anschauen und wie die Rebe wächst. Das heisst, wir sind bis jetzt an der zweiten Spritzung, das ist sehr, sehr wenig. Und mit ganz kleinen Dosen an Kupfer und Schwefel. Man muss die Spritzung gut positionieren. Immer schauen, wann die Niederschläge kommen oder wie die Rebe wächst und zum richtigen Zeitpunkt gehen. Also wächst, das heisst, die jungen Triebe, die haben ja dann noch kein Spritzmittel gesehen. Das muss man irgendwie berücksichtigen, es gibt ja ältere Blätter und neue, oder? Ja, letzte Woche hatten wir so 70 Millimeter Niederschlag in drei Gewittern, und da bin ich gerade ein bisschen vorher gegangen, um die Pflanzen zu schützen, und nach diesem Niederschlag, als der Boden wieder befahrbar war, bin ich wieder gegangen. Und mit kleinen Dosen kann man mehrmals gehen und die Pflanze ist dann geschützt. Das ist eben der genau richtige Zeitpunkt, die richtige Dosis, und auch mit dem richtigen Präparat und so weiter, und dann hast du das im Griff. Ja, das ist sehr wichtig. Welche Projekte habt ihr bezüglich Biodiversität in die Wege geleitet? Wir haben neue Reben zugekauft, und dazu haben wir noch eine Brache gegenüber dazu bekommen. Und wir wollen auf dieser Brache so einen richtig schönen Hotspot machen. Die Brache ist circa sieben Are gross und darauf haben wir bis jetzt die Smaragd-Eidechse, in unseren Steinbrüchen, und wir wollen da auch neue Hecken und einen sehr schönen Hotspot. Also wie so ein geschütztes Natur-Reservat machen für diese Tiere. Wo kommen die überall vor? Die sind typisch für Südfrankreich und nur auf dem Bollenberg, wo wir unsere Reben haben. Also wir haben sehr viel Glück, dass wir in dieser Brache diese Smaragd-Eidechse finden können.

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