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Bundesrat Guy Parmelin besucht Delinat-Weingut Lenz

Hoher Besuch beim Delinat-Weingut Lenz in Uesslingen, Thurgau: Im März 2022 besuchte der Bundesrat Guy Parmelin vom Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung die Weingärten von Roland Lenz, um mehr über den ökologischen Weinbau der Zukunft zu erfahren. Der Delinat-Winzer setzt seit einigen Jahren konsequent auf robuste Rebsorten (PIWIs) und hat damit im nachhaltigen Schweizer Weinbau eine Pionierrolle übernommen. Er beweist seit mehreren Jahren, dass sich konsequent ökologische Weinproduktion auch wirtschaftlich lohnt. Gemeinsam mit dem Rebenzüchter Valentin Blattner forscht er seit mehreren Jahren an neuen Rebsorten, welche gegen Krankheiten resistent sind und so einen Weinbau weitgehend ohne Pflanzenschutzmittel ermöglichen. Roland Lenz fordert von der Politik die Förderung dieser neuen Traubensorten und eine Landwirtschaft weg von der Monokultur und hin zu resilienten Mischkulturen.

Transkript
Diversität + PIWIs = Wirtschaftlichkeit. Ich wurde ja schlussendlich eingeladen in die "Arena", betreffend Trinkwasserinitiative dazumals. Herr Parmelin und ich waren per Zufall ein paar Minuten zu früh in dem Raum, wo die Sendung stattfand und dann konnten wir uns dort unterhalten. Und weil er Winzer ist, war das vom Beruf her sehr unkompliziert, wir plauderten über Gott und die Welt. Und ich habe ihn mit seinem Bruder zu uns eingeladen, um einen Gedankenaustausch zu machen. Jetzt kam er halt ohne seinen Bruder, dafür mit Leuten aus dem Bundesamt für Landwirtschaft - umso besser. Der Schwerpunkt seines Besuchs war der Rebrundgang, den wir gemacht haben. Und dort wollten wir ihm zeigen, dass es verschiedene Massnahmen braucht, um erfolgreich langfristig tolle Weine machen zu können, im Einklang mit der Natur. Und ich habe das schlussendlich auf eine Gleichung gebracht, und die heisst: Diversität + PIWIs = Wirtschaftlichkeit. Ich versuchte aufzuzeigen, dass das eine das andere nicht ausschliesst. Also Ökologie - wenn man jetzt zum Beispiel 15% Biodiversität - wie das bei Delinat eine Vorgabe ist - Flächen renaturiert, hat das nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun, weil die restliche Fläche, die allenfalls intensiv bewirtschaftet wird mit Reben, die wird diese 15% längst wettmachen, von der Kostenseite her sowieso, im Gegenteil: Nach 6-7 Jahren hat man sogar mehr Ertrag in einer solchen Parzelle als vorher. Und das haben wir versucht, ihm aufzuzeigen. Also wie gesagt: Es braucht sogar die Ökologie, um langfristig wirtschaftlich zu bleiben, das war eigentlich die Message. Und in diesem Umfeld spielen die PIWIs eine wichtige Rolle, die pilzwiderstandsfähigen Traubensorten. Es gibt ganz klar 2-3 Hauptforderungen: Einerseits, dass finanziell die Rebenzüchter in der Schweiz - da gibt es ja nicht viele, es gibt Agroscope als staatliche Organisation, und es gibt noch Valentin Blattner als private Organisation, mit Philippe Borioli und uns zusammen, dass wir finanziell unterstützt werden, weil das war bisher nie der Fall. Dass wir so rasch wie möglich zu Resultaten kommen, die sehr gut dokumentiert und bonitiert sind. Das ist das Eine: Finanzielle Unterstützung für PIWI-Züchtung. Das Zweite: Der PIWI-Anbau. Also der Anbau von pilzwiderstandsfähigen Traubensorten sollte auch für einen Winzer vielleicht in den nächsten 4-5 Jahren einen gewissen Anreiz bieten. Da ist ja bereits im Parlament ein Vorstoss offen, man möchte eigentlich bei Flächen über einem halben Hektar 10'000 Franken pro Hektar geben wenn man umstellt von europäischen Traubensorten auf PIWI-Traubensorten. Das finde ich grundsätzlich okay, unterstützenswert, aber ich möchte natürlich auch, dass diejenigen Flächen, welche schon gepflanzt wurden, auch noch Geld erhalten. Also unser Betrieb, wir haben in den letzten 15 Jahren zwei Millionen Franken ausgegeben, investiert in unsere Weingärten, und so wie der Vorstoss jetzt lautet, würden wir einmal mehr leer ausgehen. Also der Pionier - oder alle Pioniere, es hat auch noch andere - die das ebenfalls gemacht haben, "gucken in die Röhre" - das ist natürlich absolut unfair. Eine weitere Massahme müsste sein, dass die AOC-Richtlinien - dass die PIWIs in diese AOC-Richtlinien eingebunden werden. Also die würden dann genau gleich behandelt wie europäische Traubensorten. Das heisst, dass die Marktchancen leicht besser wären schlussendlich in der Schweiz. Und eine weitere Massnahme, von mir aus gesehen unabdingbar, endlich mit dem Rebbaukataster - es gibt ja in der Schweiz extra Zonen wo man Trauben für die Alkoholproduktion anbauen darf, und das ist dieser Rebbaukataster. Dass man diesen Rebbaukataster endlich vergisst und aufhebt. Dass man eigentlich wie jede andere landwirtschaftliche Kultur überall wo man möchte und eine Möglichkeit sieht, Reben pflanzen kann. Das würde mehr Unternehmertum geben, das ist das Eine. Es würde auch weniger Monotonie geben, weil dadurch würden die grossen Weinbaugebiete, wie Lavaux, La Côte oder im Wallis, würde man vielleicht unwirtschaftliche Rebberge und kleine Parzellen der Natur zurückgeben oder allenfalls mit Fruchtbäumen bepflanzen und vielleicht an einem anderen Ort - wenn es überhaupt finanziell möglich ist - neue machen. Also es würde eine bessere Verteilung der Rebflächen geben so. Die Bedingung wäre allerdings auch, das sehe ich realistisch, das jegliche Privilegien, die der Weinbau geniesst - auch Unterstützungen - wegfallen, wenn dieser Rebbaukataster aufgehoben wird. Ganz genau. Es kann sogar sein - das probieren wir dieses Jahr aus, also nächstes Jahr - dass man in einer flacheren Lage, wo eine Fruchtfolge auch möglich wäre - also sprich Getreideanbau zum Beispiel, wo ein Klein-Mähdrescher fahren könnte. Dass man sogar zwei Rebreihen hat, wo man mit einem Schmalspur-Traktor fährt und man aber links und rechts 4 Meter Abstand hat, bis die nächste Rebreihe kommt, damit man mit einem Schmalspur- Mähdrescher zum Beispiel eine Fruchtfolge bearbeiten, also eine Ernte einbringen kann. Es gäbe einfach unglaublich viel Luft, um diese Mischkultur zu fördern, auf jegliche Art. Ob mit Fruchtbäumen, oder einer anderen Fruchtfolge allenfalls auch. Total. Wir sprechen jetzt von Agroforst als System, also Bäume und eine Fruchtfolge. Aber es könnte auch eine Mischkultur sein mit Reben und einer Fruchtfolge. Und das kann man in den Hängen nicht machen, das geht nicht. Aber in leicht geneigten Positionen könnte man es machen. Und manchmal ist es heute auch so: Mit der Klimaerwärmung wie jetzt hier wo wir gerade stehen, wo es eigentlich eben ist oder sogar leicht gegen Norden abfällt, ist ein optimales Gelände für weisse Traubensorten. Optimal, besser kann man es gar nicht haben. Ich darf aber keine weissen Traubensorten anbauen, weil ja das keine Rebzone ist. Also letztes Jahr konnte man das auch national ganz klar beobachten: Je kleiner der Rebberg, je eigenständiger ein Rebberg gewesen ist, umso weniger Krankheitsdruck hat es gegeben. in allen grossen geschlossenen Weinbaugebieten war Echter und vor allem Falscher Mehltau letztes Jahr eine riesige Thematik. Je grösser, umso schlimmer. Also je mehr europäische Traubensorten und je grösser, umso schlimmer, also sprich im Klettgau war es sehr schlimm, in der Lavaux war es schlimm, im ganzen Wallis war es extrem schlimm Und das ist, weil der Krankheitsdruck dort sehr gross geworden ist wegen der Monokultur von anfälligen Traubensorten. Das könnte man natürlich total ändern.

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