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Robuste Rebsorten und Riesling: Die perfekte Ergänzung?

Timo Dienhart aus Maring-Noviand an der Mosel beweist, dass im Einklang mit der Natur höchste Wein-Qualität entstehen kann. Nebst dem traditionsreichen Riesling setzt der innovative Delinat-Winzer vermehrt auf die neue pilzresistente Sorte Sauvignac, welche den Riesling optimal ergänzt und auch in schwierigen Jahren für einen guten Ertrag sorgt.

Im Video erklärt Timo Dienhart, was seine Weinberge nahe der Mosel so einzigartig macht und wie er es schafft, auch in einem niederschlagsreichen Sommer die Reben ohne Chemie gesund zu halten.

Transkript
Hier seht ihr, wie schön die Mosel mal vor Jahrmillionen bis 100'000 Jahre vor unserer Zeit unser Tal geschliffen hat. Wir sind hier im alten Mosel-Mäander, also die Mosel war hier schon sehr früh und hat uns den Schiefer geschenkt, unseren schönen Blau-Schiefer. und hat hier quasi dann durch die Faltung von Eifel und Hunsrück ihr Bett verlassen und ist um uns herum fliessend. Gucken Sie sich das ruhig einmal auf Google Earth an, das ist ganz spannend, die Geologie hier ist einmalig und solche Umflussberge sind ganz selten. Da sind wir sehr stolz, dass wir dieses geniale Mikro-Klima mit dem tollen Südhang hier, unserem Honigberg, haben und diese geniale Thermik für Riesling und auch Sauvignac und auch unsere Pinots und Regents, Cabernets Cortis, werden sich auch in den nächsten Jahren noch sehen lassen können. Hier dazugekommen ist noch mein Papa, Hans Dienhart. Er hat den Betrieb in den 70ern in 9. Generation übernommen, ich bin schon 10. Generation hier in der Familie. Und er hat damals den Traum gehabt, Weinbau mit der Natur, zum Schutz der Schöpfung, ohne Gift, mit viel lebendigen Pflanzen um die Rebe, mit bester Qualität, damals schon gelebt und umgesetzt, und davon können wir heute profitieren. Jeder, der an der Mosel ist, stellt sich vor, dass das Schiefer-Hänge sind und hier sehe ich praktisch keinen Schiefer... Stimmt! Wir haben den Schiefer schön mit Fein-Erde bedeckt und da bin ich auch stolz drauf. Nämlich die Wurzeln halten auch die Fein-Erde gut fest, so wie ihr hier seht und das ist unfassbar wichtig, weil da ist ja der Nährstoffspeicher drin. Natürlich ist der Schiefer trotzdem da, auch prägend für den Wein, aber wenn man halt mit Herbizid das Kraut zerstört, dann infolgedessen kaum noch Wurzeln hat, und auch infolgedessen Auswaschung und Erosion hat, bleiben die Steine natürlich liegen und das ist eigentlich eine sehr traurige Stein-Wüste, die man dann hinterlässt. Also je typischer das Bild ist, umso schlechter ist der Boden? Leider ja, wobei es auch Lagen gibt, die einfach so steinreich sind, dass fast nichts wächst, wo ich auch von Hand einfach nur die Stauden ausreissen muss, aber generell hat das Herbizid einfach doch gegriffen und Spuren hinterlassen. Bei uns halt nicht, und diese lebendige Erde ist immer mein Ziel, um mit möglichst wenig Dünge-Massnahmen möglichst extensiv von der Bodenbewirtschaftung her zu fahren, um die bestmögliche Qualität der Traube in kleiner Menge - kostet natürlich Ertrag dieses System - aber in kleiner Menge die besten Weine zu produzieren. Das ist ein langjährig austariertes System. Wir nutzen die natürliche Kraft der Pflanzen, Wachstum ist wie Bild und Spiegelbild: So ist also eine hohe Pflanze in der Lage, eine tiefe Wurzel zu treiben. Diese wird dann abgerollt, einfach nur gewalzt, um möglichst viel holziges Material zu produzieren, was an Ort und Stelle den Humus bildet, den Stickstoff bindet, die Erde beschattet, Lebensraum für Insekten, Vögel, Nahrung und so weiter bringt. Und so haben wir in jeder zweiten Reihe dieses gewalzte System und in jeder anderen Reihe wird ganz leicht bearbeitet, um die neue Begrünungsaussaat dann ungefähr 40-50 Tage vor der Ernte wieder zu installieren und im nächsten Folgejahr den Nährstoff wieder genau so aufgesammelt abwalzen zu können, und so steht die Rebe in einem idealen Biotop, was die Rebe ernährt und auch für trockene und nasse Jahre ein selbsttarierendes System bildet. - Also wie ein Schwamm, der aufsaugt oder Wasser abgibt? - Genau. Hier stehen wir jetzt im Sauvignac, in einer wunderbaren Jung-Anlage im zweiten Standjahr. Es ist hervorragend gewachsen, wir haben sehr sehr lange schon biologisch kultivierten Boden, der eine enorme Fruchtbarkeit aufgebaut hat. wo wir unsere Begrünung auch jetzt ein bisschen gestört haben um Nährstoffe für die jungen Stöcke freizusetzen. Die andere Zeile auch nur gewalzt, dann hat man viel Lebensraum auch in der Zeile erhalten, um für Bienen, Hummeln und jede Menge Kleinstlebewesen Lebensraum zu schaffen. Auch die Befahrung im pilzwiderstandsfähigen Weinberg kann man minimieren, weil der Pflanzenschutz kein Problem ist Wir müssen zwar ein bisschen schwefeln, aber nur rund um die Blüte ist im Prinizip das Problem, Ansonsten haben wir eine doppelt resistente Pflanze gegen Peronospora, und unserem schlimmsten Feind, dem echten Mehltau, der sehr schnell die Trauben zerstören kann. Und auch einen tollen Geschmack: Das ist eine Schweizer Züchtung vom Valentin Blattner in Partnerschaft mit der Rebschule Freytag aufgebaut, und wirklich eine der zukunftsträchtigsten Sorten in unserem Sortiment mit einem tollen Geschmack. Sensorisch, kombiniert mit einem Riesling, im Moment auch im Programm mit Sauvignac-Riesling Cuvée, weil er dann einfach noch ein bisschen mehr Stabilität bekommt, weil der ist alleine sehr sehr strahlend, hat eine wunderbare Duftigkeit und der Riesling gibt ihm ein wenig Tiefe und Würze, so dass er auch den Deutschwein-Trinker dann begeistern kann. Hier stehen wir in einem Sauvignac in der Sonnenuhr und hier ist ein richtig steiler Schiefer-Südhang und da extrahiert diese wunderbare Rebsorte auch den Geschmack des Schiefers sehr sehr gut in den Wein rein. Hier ist richtig viel Handarbeit noch in der Zeile, weil wir hier gar nicht mit der Maschine reinfahren können. Sehr sehr steil, und auch nur sehr kurze Zeilen. Das ist auch natürlich wunderbar, wenn man da eine PIWI zur Verfügung hat, so dass wir also nicht ständig da spritzen müssen und reinfahren müssen oder mit der Schlauchleitung durchlaufen müssen. Hier ist wirklich ganz ganz viel Handarbeit noch in dem Weinberg. Hier stehen wir im Rickert, in der Mahringer Sonnenuhr, ist eine ganz steile Süd-Südwest-Lage, die ganz fantastische Riesling-Weine hervorbringt. Wir haben ein Konglomerats-Schiefer, der sehr sehr bunt ist und der sehr charakteristische Weine bringt. Hier haben wir natürlich auch Pflanzenschutz zu leisten wie bei allen Rieslingen, die Thermik hilft uns natürlich hier, dass wir weniger Probleme mit der Peronospora, dem falschen Mehltau, haben. Und auch der Geschmack, der hier wächst, ist ausserordentlich gut. Hier fliesst anteilig auch immer mal was in den "vom Schiefer", aber hier machen wir auch Premium-Qualitäten, wo wir also Top-Selektionen, auch Top-Kabinette hier selektieren, weil es einfach ein bisschen eine kühlere Lage ist, die eine absolut geniale Mineralität und Tiefe in den Weinen hinterlässt. Hier stehen wir inmitten eines Riesling-Weinbergs, und hier seht ihr, warum wir eine Motivation haben, unseren geliebten Riesling zu ersetzen gegen Sauvignac: weil hier der böse Feind einkehrt, die Peronospora. Sieht sehr harmlos aus, ist aber ein wahnsinniges Ding der Evolution, der unfassbar garstige Sporen entlässt, die die Rebe dann schädigen und auch ganze Trauben befallen und dann die Gescheine, die jungen Beerchen, praktisch befallen und zerstören. Und wenn man also schon viele Blätter findet wie hier, und auch Pilzrasen unter der Oberfläche, wird es allerhöchste Zeit, dass wir mit Kupfer behandeln. Mit einer Spur Kupfer bringen wir ein Netz auf an Ionen, was dann die Pilz-Hyphen schädigen kann und unsere Pflanzen schützen kann, deshalb auch "Pflanzenschutz". Ist obligatorisch in solchen Jahren, weil wir sonst wirklich kein Wein ernten würden und auch die Qualität zusammenbrechen würde. Und dieses Jahr ist es sogar so schlimm, dass wir wirklich Sorge haben, die Ernte durchzubekommen. Hier stehen wir im Herz vom Honigberg, hier haben wir die grössten Teile des Betriebs Und hier sind sehr grosse Bio-Flächen, ich bin hier sehr stolz darauf, dass wir auch hier die Delinat-Artenschutz-Bestrebungen auch voll erfüllen und übertreffen. Hier haben wir 120 Meter Bio-Hotspot, laufend, als horizontales Struktur-Element. Wir haben auch noch ein rund 100 Meter lange Vertikale gebaut, um halt den Insekten Rückzugsräume zu lassen, neben den vielfältigen Rückzugsmöglichkeiten in unserem Weinberg, die wir aber natürlich durch die Kultur "Rebe" immer mal wieder stören müssen. Weil wir müssen ja Trauben produzieren, können nicht nur "Ökologie-First", sondern "Qualität-First", in der Rebe, und umso wichtiger sind diese Öko-Rückzugsflächen. Hier haben wir den Fenchel stehen, wir haben jede Menge Begrünung drin, paar Weiden, haben 30 Weinbergpfirsich-Bäumchen, Insekten-Hotels, jede Menge heimische Kräuter und Pflanzen. Wir lassen auch bewusst den Unterwuchs, das Altholz stehen, um Wildbienen und vielen Insekten Lebensraum zu bieten, die dann das ganze Jahr über da wohnen können, ohne dass schadhafte Mulcher- oder Schlepper-Reifen dann ihr Refugium zerstört. Zeitgleich bin ich überzeugt, dass die Weinqualität dadurch verbessert wird. Weil wir mehr Leben um die Rebstöcke drum herum haben und dann die Rebe einfach mehr Extrakt, mehr Geschmack, mehr Lebendigkeit in die Weine übergibt. Hier stehen wir an unserem Insekten-Hotel. Dass ist mir immer sehr sehr wichtig, nicht nur Lebensraum zu schaffen, sondern auch Nahrungsquellen zu bieten und auch die alte verholzte Pflanzenmasse vom letzten Jahr als Lebensraum, als Habitat für Wildbienen, Blaue Holzbiene, seltene Wespenarten, Schlupfwespen, jede Menge Kleintiere - und damit natürlich auch jede Menge Vögel, die sich auch an dieser reichen Nahrungsquelle Insekten erfreuen können, wieder ernähren. Hier kultivieren wir sehr extensiv, holen nur die Brombeeren raus, die sehr invasiv sind, sehr sehr dominant sind, deshalb muss man da schon auch ein bisschen eingreifen, aber wir versuchen, die Natur nicht zu stören. Wir sehen auch zum Teil wieder blühende Pflanzen, die Distel hier, die habe ich auch einmal eingesät, jetzt sät sie von Natur aus weiter, und so entsteht ein unglaublicher Lebensraum für viele viele Tiere und auch für guten Wein. Weil wir hier auch die Reben überhaupt nicht stören, die Böschung ist sowieso da, weil wir da drüber die Fahrspur für den Traktor und die Raupe haben und so kann man auch ganz toll Lebensraum schaffen und nutzen, um was für die Natur zu tun. Es sind viele viele Arbeitsstunden, wir arbeiten auch sehr intensiv per Hand, um die Trauben auszulichten, um ganz gezielt an der richtigen Stelle möglichst viele kleine Beeren hängen zu haben, die eine unheimlich Aroma-Intensität transportieren und unser schönes Mosel-Tal auch repräsentieren, weil wir haben hier etwas, was weltweit einzigartig ist mit unserem Riesling.

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