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Landesübergreifende Zusammenarbeit für den Weinbau der Zukunft

Bereits seit einigen Jahren arbeitet der katalanische Biopionier und Delinat-Winzer Josep Maria Albet i Noya mit dem Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner an einem wegweisenden Projekt: Ihr gemeinsames Ziel ist es, im Weinbaugebiet Penedès neue Rebsorten zu züchten, welche den Geschmack der autochthonen (einheimischen) Sorten mit den resistenten Eigenschaften von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs) vereinen. So entstehen neue interessante Weinsorten, welche weniger Pflanzenschutz benötigen und weltweit einzigartig sind. Da sie mit den katalanischen Weinsorten verwandt sind, haben sie dennoch einen regionalen Charakter. Im Video erzählen Josep Maria Albet i Noya und Valentin Blattner, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und welches Potential diese neue resistenten Sorten haben.

Transkript
Wir haben die Resistenz-Genetik bei den einheimischen Sorten reingezüchtet. Wir versuchen, denselben Wein zu machen, jedoch mit resistenten Rebsorten. Ich kenne die resistenten Rebsorten durch das Château Duvivier (Delinat-Forschungsweingut). Durch Dr. Pierre Basler, er hatte uns damals bereits mit diesem Thema bekannt gemacht. Und wir haben begonnen, einige resistente Rebsorten auszuprobieren, die er uns besorgt hat. Und wir haben gesehen, dass die Resultate sehr gut waren. Man muss diese Strategie also unbedingt weiterverfolgen, aber wenn man Traubensorten pflanzt, die aus Deutschland, Italien oder Frankreich stammen, verliert man den Charakter unserer Weine und unserer Typizitäten. Also haben wir uns gedacht, es wäre besser, diesbezüglich ein eigenes Forschungsprojekt zu starten. Wir können zwar resistente Traubensorten aus anderen Ländern ausprobieren, aber das Endziel ist, autochthone Sorten zu haben, die direkt von unseren autochthonen Sorten abstammen, aber resistente Genetik besitzen. So suchten wir nach einer Lösung und wir hatten Herr Blattner bereits gekannt. Er ist derjenige, der die Kapazität für eine solche Züchtungsarbeit hat. Wir könnten unser gesamtes Leben damit verbringen, bis wir all das gelernt haben, aber es muss etwas schnell gehen, also haben wir ihn kontaktiert. Er war bereit, beim Projekt mitzuarbeiten ... und jetzt - er hat sich sein ganzes Leben mit dieser Thematik beschäftigt, ich nur einen Teil meines Lebens. Aber das ist das Projekt, das wir gemeinsam entwickeln. Er war es, der mit mir Kontakt aufgenommen hat, um die autochthonen Sorten Spaniens, die Traubensorten aus dem Penedès - Macabeo, Xarel Lo, Parellada, Grenache - resistent zu machen. Wir haben die Resistenz-Genetik bei den autochthonen Sorten reingezüchtet und wir versuchen, denselben Wein zu machen, jedoch mit resistenten Rebsorten. Deshalb muss man mit traditionellen Sorten arbeiten. Man muss immer eine Regionalität haben: Wenn man in den Urlaub verreist nach Katalonien, möchte man auch Wein von hier trinken. Man will nicht Riesling oder Chardonnay trinken. Also die Idee ist es, vielleicht auch ein Aroma zu haben, das zum Urlaub gehört. So kann man sich dann erinnern: "Die Parellada-Traube, die wir damals im Cava probiert haben..." In den letzten 30-40 Jahren wurden hier viele ausländische Sorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Syrah oder Merlot gepflanzt. Aber jetzt gibt es eine Bewegung, vor allem bei den kleineren Kellern, aber auch bei grösseren: Sie beginnen, wieder zurückzukehren und wollen wieder verstärkt auf die einheimischen Sorten setzen und die ausländischen Sorten langsam verdrängen, um wieder die regionale Typizität der Weine zu erhalten und sich von anderen Weinbau-Regionen differenzieren zu können. In einigen Fällen ist das sehr schwierig. Im Penedès beim Rotwein zum Beispiel da hat es nur sehr wenige interessante einheimische Sorten, und das hier ist eine Gelegenheit, um autochthone Traubensorten zu haben, mit einem interessanten Charakter und die auch eine Möglichkeit bieten, um sich differenzieren zu können - ich denke, das ist eine neue Gelegenheit. Wie ich bereits gesagt habe, wir möchten nicht Cabernet Sauvignon und Chardonnay überall auf dem Planeten haben, das wäre traurig, das wäre das System "Coca Cola" - ich weiss, Coca Cola verkauft sich, aber... ich bevorzuge eine regionale Typizität zu haben, und das ist, was wir beibehalten möchten, vor allem in diesem Projekt, "Penedès", aber wir machen das auch für Frankreich, für den Riesling in Deutschland - autochthone Sorten. Zusammenfassend muss man sagen, eine Produktion ohne Pestizide ist auch kostengünstig. Wenn man nebenan schaut, vor allem letztes Jahr, die Ausfälle die wir hatten, Die Regierung, welche 23 Millionen Euro zahlen musste, um die Winzer zu retten... Es kostet einige Millionen, um eine neue Sorte zu züchten, dafür muss man nachher den Weinbau nicht mehr retten, danach ist das Problem beseitigt. Hier gleich nebenan - sogar in einem fantastischen Jahr - tauchen die Pilzkrankheiten auf hier hat es nichts, also... am Ende können wir sogar den Traktor verkaufen. Das ist dann ein Problem für die Traktorproduzenten, aber für die Natur ist das ein Vorteil: Viel weniger Energie, viel weniger Sorgen, eine sichere Ernte. Man sieht es hier: Wir haben nichts gespritzt und das kommt dabei raus. Man sieht das schnell, also die benachbarten Winzer, wenn sie das sehen, werden alle diese Sorten anpflanzen. In 20 Jahren können wir gar nicht mehr die traditionellen Traubensorten anpflanzen mit 15 Pflanzenschutz-Behandlungen jährlich - was haben wir gesehen, 100 Kilo Schwefel? - 120 Kilo Schwefel. Pro Hektar! Und pro Jahr. Kurzum, es ist offensichtlich: Nur diese Sorten werden in der Zukunft funktionieren. Und jeder weiss es. Der Druck der Winzer und der Druck der Konsumenten wird die Administration dazu zwingen, das Gesetz für neue Traubensorten zu ändern - diese Änderung im Gesetz lassen sich schnell anpassen, um die neuen Sorten zu erlauben, das ist schnell erledigt aber... ... ich bin sicher, dass der Druck der Winzer und der Konsumenten zu einem solchen Beschluss führen werden.

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